DIE ZEIT

Verräter

Unter Spießgesellen auf dem Balkan kann man sich schon mal liebevoll „Betrüger“ nennen oder auch „Verbrecher“ schimpfen. Aber „Verräter“ ist ein Wort, das alte Kameraden schnell in erbitterte Kampfhähne verwandelt.

Der Neue

Wer Mitglied in der Statt Partei ist, schaut in der Regel in die Zeitung, um zu erfahren, wer gerade Vorsitzender ist. Der neue heißt Haraldkaisermikebashford, ist also eigentlich zwei.

Einigung

Endlich einmal eine gute Nachricht: Russen und Esten – beide gleich dickköpfig – haben sich im wesentlichen geeinigt. Estland ist zwar nur ein kleiner Schauplatz, aber sein Konflikt mit Moskau über den Truppenabzug und den Status der russischen Bürger hätte leicht zu großen Verwicklungen führen können.

Zeitspiegel

Um seinen „guten Ruf“ fürchtet Wladimir Wolfowitsch Schirinowskij, Führer der russischen Rechtspartei LDPR. Der Autor der Kampfschrift „Der letzte Sprung nach Süden“ wagte deshalb einen beherzten Sprung vors Gericht.

Worte der Woche

„Ich wäre persönlich daran interessiert, dieses wirklich sehr gelungene Plakat mit der roten Socke im Ostteil der Stadt im Auftrage der PDS kleben zu lassen.

Cholera, Ruhr, Mord: Der Tod wütet weiter unter den ruandischen Flüchtlingen in Zaire. Die Anhänger der alten Regierung drohen den neuen Machthabern in Kigali: "Wir werden zurückschlagen": Warten auf die Zeit der Rache

Die Frau fleht: "Bitte, gebt mir Wasser, ich sterbe!" Der Photograph geht ganz nah ran. Auf seinen Photos werden später ihre Hände zu sehen sein, die sich in die Erde krallen, das zerlumpte Kleid mit den roten und gelben Blumen, der verrotzte kleine Bub, der sich wimmernd an sie klammert und seinen Kopf nicht mehr halten kann.

„Ist Vati beim Angeln?“

Die zerknitterten Pullover und die Seemannsmütze machten das Mädchen mißtrauisch. Ganz plötzlich trug ihr Vater nicht mehr den üblichen Diplomatenanzug und war immer wieder tagelang verschwunden.

Berlusconis schwere Stunde vor dem Parlament: Sonnenbrand droht

Jeder Showmaster, aber auch mancher langweilige Politiker konnte etwas lernen, als Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi am vorigen Dienstag, seinem "schwarzen Tag" – wie er kokettierte –, mit "unheilbarem Optimismus" vor das Parlament und die Fernsehnation trat.

Bonner Bühne: Rauschen in heißen Lüften

Unerträglich findet der CSU-Abgeordnete Hartmut Koschyk, daß die „politischen Radikalthesen der PDS“ mit beträchtlichen Steuergeldern, wie es eben das Gesetz vorschreibt, unterstützt werden müssen.

Ein kleiner Rest von Wendelust

Dramatisch und langweilig zugleich – so scheinen sich, zumindest auf den ersten Blick, die aktuellen Umfragen zu lesen: Die Unionsparteien nehmen zu, die SPD läßt Federn; im Zweikampf zwischen Kohl und Scharping hat der Kanzler den großen Rückstand zu seinem Herausforderer nicht nur wettgemacht – er hat ihn inzwischen umgekehrt.

DIE KANDIDATEN

Möllemanns Liste hielt nur bis zur siebten Runde. Dann wurden die Delegierten der FDP Nordrhein-Westfalens müpfig. Auf Platz acht der Landesliste für den Bundestag wählten sie einen eigenen Kandidaten, nicht den vom Vorstand vorgeschlagenen.

Ein Baum wird abgesägt

Es hat nun ein Ende mit den Niederlagen des Gerhart Rudolf Baum. Sein Abgang paßt. Er hat noch einmal verloren, endgültig nun.

BUCH IM GESPRÄCH: Der Kern mutiert

Die Überwindung des Nationalstaats in einem supranationalen Europa – diese aus der Katastrophe der europäischen Kriege und des „Dritten Reiches“ nach 1945 gezogene Schlußfolgerung wurde zur ideellen Geschäftsgrundlage der Bundesrepublik.

Nabelschnur zum Westen

Die Berliner Presse – seit das freie Wort in Deutschland erlaubt ist, spiegelten sich in ihr mehr als in den Journalen anderswo die Hoffnung und die Tragik dieses Landes.

Sprache: Integriert

Zum Glück gibt es hierzulande keine Vorschriften zur Reinhaltung der deutschen Sprache (kurz: Fremdwörtermißbrauchsbekämpfungsgesetz).

Deutsche Banken weisen erneut Rekordgewinne aus: Bilanzen im Nebel

Außen pfui und innen hui, so präsentiert sich gegenwärtig das deutsche Kreditgewerbe: Während das Ansehen der Branche nach den peinlichen Pannen, die sie sich mit Kunden wie der Metallgesellschaft, Schneider oder Procedo/Balsam leistete, in der Öffentlichkeit auf einen Tiefpunkt gesunken ist, klettern ihre Gewinne erneut auf Rekordhöhen.

Kiwis: Normiert

Absurditäten auf dem europäischen Agrarmarkt sind in Hülle und Fülle bekannt. Aber wenn bisher die Rede von einer Marktordnung für Kiwis war, dann sagte sich jeder: Vorsicht, Satire! Von wegen.

Bonner Kulisse

Die Entschädigung der Bonner Bundestagsabgeordneten von gegenwärtig 10 366 Mark pro Monat (steuerpflichtig) üppig zu nennen ist sicher überzogen, insbesondere dann, wenn Parlamentarier anderswo kein Zubrot verdienen.

Hoffen auf die Vergangenheit

Die Explosion, die am 7. Juli 1994 das Rivoli-Haus an der Place de Martyr in die Luft jagte, sollte dem Wiederaufbau gelten.

Autoseller: Flaute auf dem Automarkt

Alles in allem brachte das 1. Halbjahr nur ein mageres Plus von 0,8 Prozent; der Markt für Neuwagen stagnierte also in Deutschland, verglichen mit den ersten sechs Monaten 1993.

Bremsen gelockert

Da die Wachstumsrate der Wirtschaftsleistung in den USA im zweiten Quartal 1994 mit 3,7 Prozent keine Zinserhöhungen der US-Notenbank notwendig macht, ist auch der deutsche Wertpapiermarkt von der Furcht steigender Zinsen zunächst befreit worden.

Manager und Märkte

Verlage: Stühlerücken in den Chefredaktionen Metallgesellschaft: Teurer Ausstieg aus Verlustverträgen RWE: Erstaunen über Nachfolger an der Spitze

"Zunächst war da nur die nebelhafte Vorstellung, eine astronomische Kunstuhr zu bauen, die mehr sein sollte, als bloß ein Zeitmesser, als ein technisches Instrument zur Darstellung kosmischer Abläufe": Die perfekte Uhr

Die Uhr als Anachronismus. Wer braucht in einer Gesellschaft, die durch Schnelligkeit und Effizienz gekennzeichnet ist, eine Uhr, die sich um die Positionen der Planeten Venus und Mars aus helio- und geozentrischer Sicht inklusive der scheinbaren Planetenrückläufigkeit kümmert? Das (Uhr-)Werk von Hans Lang sprengt so manche Grenze.

Eine kurze Geschichte des Rattenmists: Ein Häufchen Erkenntnis

Schweift der Blick von den Hängen der Waterman Mountains nahe Tucson über das schier endlose Meer von Saguaros, Paloverden, Tonnen- und anderen Kakteen, über Strauchwerk und Bursage, dann fällt es schwer zu glauben, daß hier, mitten in der Wüste Arizonas, vor nur 11 000 Jahren Kiefern, Wacholder und Eichen gediehen.

Energie und Umwelt

Die intensive Nutzung von Kaffee- und Kakaoplantagen zerstört das Winterquartier verschiedener Zugvögel wie etwa der schwarzkehligen grünen Grasmücke.

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