Von Wolfgang Köhler

Mehr Mut zur Politik fordern viele Wirtschaftsführer von ihresgleichen. Das notwendige Engagement dafür bringen offenbar nur wenige auf. Klaus Asche scheint da eine Ausnahme zu sein. Als Tyll Necker im Juli dem Vorstandschef der Hamburger Holsten-Brauerei AG das Amt des BDI-Präsidenten antrug, zeigte sich Asche zwar überrascht, lehnte aber auch nicht gleich ab – im Gegensatz zu allen anderen vor ihm befragten Unternehmer.

Das Amt des Cheflobbyisten der deutschen Industrie ist keineswegs ein begehrter Job. "Das kann auch gar nicht anders sein", meint der noch amtierende BDI-Präsident Necker. Der Sprecher der Industrie soll möglichst eine aktive Unternehmerpersönlichkeit mit der notwendigen Nähe zu den Problemen der Wirtschaft sein, aber auch genügend Zeit haben, um die Interessen der Unternehmen in Politik und Gesellschaft zu vertreten. Vorstandschefs von Großunternehmen sind meist viel zu sehr im eigenen Unternehmen eingespannt, anderen verweigert der Aufsichtsrat wegen der mit dem Ehrenamt verbundenen Belastungen dafür die Zustimmung.

In Klaus Asche scheint Necker jemanden gefunden zu haben, den solche Mehrfachbelastungen nicht schrecken. Der heute 61jährige Bierbrauer hatte schon vor Jahren erklärt: "Wenn ein Manager nicht in der Lage ist, sich den erforderlichen Freiraum zu schaffen, um über seine Aufgaben, seine Umgebung und sich selbst nachzudenken, weckt er Zweifel an seinen tatsächlichen Fähigkeiten, führend in der Wirtschaft tätig zu sein." Diesen Anspruch verstand der Jurist schon in der Vergangenheit mit seinen Führungsaufgaben bei Holsten sowie mit diversen Aufsichtsratsmandaten und Ehrenämtern in Einklang zu bringen, etwa als Präsident des Deutschen Breuer-Bundes, als Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT) oder als Präses der Handelskammer Hamburg.

Vor allem in dieser Funktion versuchte Asche bisher wenigstens die Hamburger Politik zu beeinflussen, was durch die räumlichen Verhältnisse dort besonders begünstigt wird. Dabei nimmt Asche offenbar einen alten Handelskammer-Schnack über die unmittelbare Nachbarschaft von Landesregierung und Kaufmannschaft durchaus wörtlich: "Hinter unserem Haus haben wir das Rathaus gebaut."

Nach der jüngsten Bürgerschaftswahl versuchte der Kammer-Präses in vertraulichen Gesprächen und öffentlichen Auftritten, unter allen Umständen ein rotgrünes Bündnis zu verhindern. Dabei ließ es Asche an deutlichen Hinweisen auf den eigenen Einfluß nicht fehlen: "Es hat noch nie eine Zeit gegeben, in der Politik und Wirtschaft so eng verwoben waren wie heute." Ein Mitarbeiter der Handelskammer erklärte nach dem Erfolg der Mission gegenüber der tageszeitung klipp und klar: "Wir allein haben Rot-Grün verhindert." Sein gutes Verhältnis zum Ersten Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) kam Asche dabei ebenso zustatten wie seine Fähigkeit, mit allen reden zu können, ohne dabei von seiner konservativen Grundhaltung abzuweichen. Konzilianz und Durchsetzungskraft sind denn auch Eigenschaften, die BDI-Präsident Necker bei seinem möglichen Nachfolger besonders schätzt, der in Bonn unter Umständen auch mit einem Bundeskanzler Rudolf Scharping zurechtkommen müßte.

Der Sohn eines Helmstedter Philologen begann seine berufliche Karriere als kaufmännischer Lehrling bei der Esso AG in Hamburg. Nach Studium und Promotion kehrte Asche zunächst als Justitiar zu Esso zurück. Später wechselte er ins Marketing und vertrat seine Gesellschaft zeitweise als Gebietsleiter in Bremen. 1970 wurde er zum stellvertretenden Vorstandsmitglied der Holsten-Brauerei berufen. Seit 1980 setzte er als deren Vorstandsvorsitzender den Ausbau des Unternehmens von einem Regionalanbieter zur norddeutschen Großbrauerei konsequent fort. Heute wird Holsten auch in Mecklenburg und Sachsen sowie – in Lizenz – in China, Ungarn, Nigeria und Namibia gebraut.