Als in der vergangenen Woche in Schweden und Italien die Leitzinsen zur Stützung der heimischen Währungen angehoben wurden, kam es auch auf dem deutschen Rentenmarkt zu deutlicher Renditesteigerung. Die Durchschnittsrendite öffentlicher Anleihen kletterte wieder auf über sieben Prozent. Von Zinssenkungsphantasie war keine Rede mehr. Dennoch blieb die Reaktion bei den Aktien besonnen. Nicht zuletzt deshalb, weil ihre Kurse zunehmend von der Ertragsseite her untermauert werden.

Das ist besonders bei den Unternehmen der Großchemie der Fall, die zunehmend vom weltweiten Konjunkturaufwind profitieren. Aufmerksamkeit auf die Titel der Großchemie lenkte zusätzlich die Nachricht von Hoechst, daß dort ein Kunststoff gefunden sei, der Ozon aus Luft und Wasser filtert und dann in Sauerstoff umwandelt. Einen neuen kräftigen Rückschlag erlitten Schering-Aktien wegen der angeblichen Krebsgefährlichkeit zahlreicher Arzneimittel.

Bei Veba hat sich der Ertragsoptimismus als berechtigt erwiesen. Im ersten Halbjahr 1994 ist bei der Gesellschaft der Konzerngewinn um knapp dreißig Prozent gestiegen. Wenn der Veba-Kurs nach Bekanntwerden dieser Zahl nur noch bescheiden anzog, lag dies an den vorangegangenen Kursgewinnen, die zu einem großen Teil auf einen Kaufauftrag aus dem Ausland zurückzuführen sind. Die Veba-Umsätze haben sich jüngst positiv von dem sonst nur schwachen Aktiengeschäft abgehoben.

Das gilt im übrigen auch für die Thyssen-Aktien. Sie profitierten nicht nur von der besseren Stahlkonjunktur. Ertragsphantasie regte sich außerdem um die Beteiligung an der E-Plus-Mobilfunk GmbH. Zusätzlich wird darauf verwiesen, daß die geplante Zusammenarbeit mit Krupp Synergieeffekte ermöglicht.

Bei den Bankaktien ist trotz des neuerlichen Zinsanstiegs die Abwärtsbewegung zum Stillstand gekommen. Für die Aktien der Deutschen Bank, die kürzlich stark gebeutelt worden sind, lagen sogar kurssteigernde Meinungskäufe vor. Chartisten warnen allerdings vor zu viel Optimismus. Sie glauben aus den ihnen vorliegenden Daten die Gefahr eines empfindlichen Rückschlages herauslesen zu können. Das sei dann der Zeitpunkt, so behaupten viele Börsianer, Deutsche-Bank-Aktien im Depot wieder stärker zu gewichten. K. W.