Bosnien hat einen Präsidenten weniger: Fikret Abdić ist gestürzt. Seine Firma Agrokomerc war mehr als nur ein Unternehmen. Der ebenso windige wie findige muslimische Geschäftsmann hatte vor knapp einem Jahr sein eigenes Reich zwischen allen Fronten eingerichtet: die Autonome Region Westbosnien, umzingelt von Serben, umgeben von Kroaten und weit entfernt von der Hauptstadt Sarajevo. Der bosnische Präsident Izetbegovic ließ nun die Truppen seines ärgsten Feindes zermalmen. Muslime kämpften gegen Muslime – mit dem gleichen Ergebnis wie überall: Tod, Brand, Vertreibung. 40 000 Menschen sind nach Norden in die serbisch kontrollierte Krajina geflüchtet.

Für sie war Abdićs Staat Modell. Auf den Säulen Kommerz und Kompromiß ruhte seine Herrschaft. Im Handel mit den Serben verschob er Lebensmittel und Waffen. Und erhielt etwas, wovon viele Muslime nur träumen konnten: Frieden. Doch für Izetbegovic war Abdić nur ein Separatist, Betrüger, Verräter. Seit die Regierungstruppen auf die Festung Agrokomerc marschiert, bot Abdić mehrmals Verhandlungen an, um – ganz nach seiner Art – einen Kompromiß zu schließen. Doch der Sture aus Sarajevo war nicht zu erweichen. Er will Abdić wegen Landesverrats anklagen lassen. Vielleicht wird sich auch Izetbegovic eines Tages verantworten müssen: für einen unnötig blutigen Bruderkrieg. M. T.