Von Erika Martens

Nikat B. aus Istanbul lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Hamburg, hier hat er Medizin studiert, hier hat er mittlerweile eine gutgehende Praxis. Vor zwei Jahren wollte sich der Arzt eine Wohnung kaufen und brauchte dafür eine Hypothek. Der neue Sachbearbeiter bei seiner Hausbank ließ zunächst durchblicken, daß das Objekt für einen Ausländer reichlich groß sei. Schließlich aber bekam der promovierte Mediziner den Kredit, freilich nur mit variablem Zinssatz von neun Prozent. Die Freude über das schöne Heim wurde jedoch bald getrübt. Während die Zinsen allgemein sanken, kletterte der Satz bei Nikat B. höher und höher. Als er bei 12,5 Prozent angelangt war, platzte ihm der Kragen. Mit Hilfe von Freunden suchte und fand er eine andere Bank. Nun zahlt er für seine Hypothek 6,7 Prozent Zinsen bei einer Laufzeit von zehn Jahren.

Ahmed S. aus Teheran wollte Kunde bei einem Kreditkarten-Unternehmen werden. Obwohl er alle Voraussetzungen erfüllte, war er dort nicht willkommen, "aus Gründen", hieß es lapidar, "die wir nicht nennen können".

Güngör B. aus Anatolien, seit mehr als zwanzig Jahren in München ansässig und Autobesitzer mit einem Schadensfreiheitsrabatt von 35 Prozent, kaufte sich vor dem Urlaub einen anderen Gebrauchtwagen. Ausgerüstet mit Doppelkarte und grüner Versicherungskarte, fuhr er frohgemut in die Türkei.

Nach der Rückkehr fand er im Briefkasten eine Mitteilung der Polizei. Da stand im schönsten Beamtendeutsch: Wegen Fahrens eines nicht versicherten Kfz seien Ermittlungen gegen ihn eingeleitet worden. Seine Recherchen ergaben, daß die Versicherung ihm dreizehn Tage nach Ausstellen der vorläufigen Papiere ohne Angabe von Gründen gekündigt hatte. Erst nach mehreren vergeblichen Versuchen fand Güngör B. eine Versicherung, die bereit war, ihn aufzunehmen.

Fälle dieser Art lassen sich zu Tausenden erzählen. Denn in Deutschland lebende Ausländer werden nicht nur durch brutale Gewalt rechtsradikaler Jugendlicher getötet oder verletzt, von Nachbarn beschimpft und von Polizisten mißhandelt. Verletzungen subtilerer Art erleiden sie auch als Kunden von Banken oder Versicherungen, als Arbeitnehmer in Betrieben, Wohnungssuchende bei Maklern und Vermietern oder als Antragsteller bei Behörden. Die Diskriminierung in der Wirtschaftswelt findet freilich häufig keine Ankläger. Zum einen fehlt oft die gesetzliche Grundlage, zum anderen beschweren sich die Betroffenen erst gar nicht, aus lauter Angst vor noch schlimmeren Konsequenzen.

Ausländerbeauftragte, Mitarbeiter von multikulturellen Initiativen, antirassistische Gruppen und Stadtteilbüros in vielen deutschen Kommunen, Gewerkschafter und Arbeitgeber versuchen, den Benachteiligten dennoch zu helfen. Sie richten Gesprächskreise ein, halten Schulungen ab und treten den Politikern auf die Füße, so oft es geht. "Man kann lernen, wie man mit anderen umgeht", sagt Barbara John, engagierte Ausländerbeauftragte in Berlin.