In aller Früh, wenn alle Jungen noch schlafen, gehe ich, während der altmodische Regisseur Gott eine neue Morgenfrische inszeniert, die paar Schritte vom Haus zur Bootshütte. Eine fleißige Spinne, deren Mordnetz ich unachtsam zerstöre – es sind schon ein paar frischverstorbene kleine Fliegen drin bitte ich um Entschuldigung, jetzt muß sie alles neu machen. Ins urjunge Wasser tauche ich und entsteige ihm frisch veraltet.

Inzwischen, ich habe hinterm Bad noch ein bißchen geschlafen, den schönen 9-bis-10-Uhr-Schlaf des Alters, versammeln sich die Jungen zum Frühstück. Der ganz Junge trägt weißes Haar und Hängebauch, darüber ein T-Shirt mit Donald Duck, der in goldenen Lettern ruft: „Welcome in Disneyland“.

Sie hingegen trägt spannende Leggins in lila, lindengrün, schwarz und rosa, einen Body aus geiler weißer Spitze und überall sonst goldbraun knusprige Haut, geadelt wie lang benutztes Leder. Alle, alle sind sie jung, die alten Kasper. Sie wollen von der Zukunft nichts wissen. Die Zukunft gehört nämlich dem Alter.

„Auf, schickt die Jugend in den Orkus! Nehmt die Zukunft in eure eigenen Hände mit den kräftig hervortretenden Adern!“ – rufe ich vom Balkon meines Zimmers, überragend den Frühstücksgarten. Ich könnte ihnen hineinspucken in die Kaffeetassen, aber nein, viel gemeiner hänge ich meinen bronzenen Buddhabauch über die Balustrade, raufe mein überlanges Grauhaar, intonierend:

„Hört mich, Ihr übertünchten Urlaubsgräber, ich bin Teiresias, der steinalte Seher von Theben, täglich tauche ich in die Quelle Tilphussa und wandle mich an geraden Tagen in ein Weib, an ungraden wieder retour in einen Mann. Den Streit zwischen Zeus und Hera über die Liebe entschied ich dahin, daß der Genuß des Weibes den des Mannes überträfe um das Neunfache. Um das neunmal Neunfache aber übertrifft der Genuß des Alters den der Jugend.“

Im Frühstücksgarten entsteht beträchtliche Unruhe. Die wirklich blutjunge Serviererin überbrüht die jungalten Gäste mit heißem, in jeglicher sonstigen Hinsicht ungefährlichem Kaffee. Rufe ertönen: „Holen Sie mir den Geschäftsführer!“

Während sich der Garten empört leert, nehme ich die Gelegenheit, den paar verbleibenden Vernünftigen alles auszuvernünfteln: