Schönes Kaiserslautern, ach ja. Wir denken an den Fußballverein und manches andere Sehenswerte. Die evangelische Pfarrkirche zum Beispiel, der Schöne Brunnen auf dem Stiftsplatz, nicht zu schweigen von dem Rathaus. Von keinem Punkt der Stadt aus ist der 24stöckige Prachtbau aus Sichtbeton und eloxierten Fenstern zu übersehen. Die Stadtväter der nur 100 000 Einwohner zählenden Gemeinde genehmigten sich dieses markante Symbol Ende der sechziger Jahre. Im Kunstführer heißt es, daß es eines der höchsten Rathäuser Europas ist. Wer es das erste Mal erblickt, bekommt natürlich einen Schrecken, so groß ist es. (Im Kunstführer finden wir es abgebildet und erwähnt, weil es sich um die Schöpfung eines Architekten handelt und die Architektur von alters her als eine der drei schönen Künste gilt. Doch das nur am Rande.) Die Baukunst und Kaiserslautern. Ach ja.

Angesichts dieser Kombination läßt es sich nicht vermeiden, daß wir auch auf den Architekten S. zu sprechen kommen. Vor einigen Jahren erhielt er von der Stadt Kaiserslautern den Auftrag, ein Weiterbildungszentrum zu entwerfen. Als die Gerüste fielen, äußerte er den Wunsch, das vollendete Gebäude mit seinem Namen zu verzieren. Eine Sandsteinplatte wollte er anbringen lassen, 30 mal 75 Zentimeter groß, mit der Gravur „Architekt Dipl.-Ing. S.“.

Die Stadtväter in ihrem Hochhaus winkten ab, das Schild sei ihnen zu groß, zudem bezweifelten sie, daß der Neubau „ein urheberrechtlich geschütztes Werk der Baukunst“ darstelle. Was sie da bestellt und bezahlt hatten, schien ihnen ein „reiner Zweckbau ohne die erforderliche Gestaltungshöhe“ zu sein. Verständlich, daß ein Baumeister so ein Verdikt nicht stehenläßt.

Der Architekt klagte gegen den Bauherrn. Vier Jahre gab der Konflikt den Gerichten zu denken, in erster Instanz dem Landgericht, in zweiter dem Oberlandesgericht Zweibrücken und schließlich dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Mit einiger Wucht wälzte man Grundsatzentscheidungen und Gedanken um, aber erst jetzt erging das Urteil (Aktenzeichen I ZR 3/92): „Das Recht auf Anbringung der Urheberbezeichnung am Werk nach Paragraph 13 Satz 2 UrhG steht grundsätzlich jedem Urheber zu.“ Im Prinzip jedenfalls.

Damit ist Grundsätzliches gesagt. Architekt S. darf endlich sein Schild anschrauben. Dennoch bleiben Fragen offen. Wie wir aus Karlsruhe erfahren, vergaß nämlich das Oberlandesgericht in Zweibrücken in der Berufungsverhandlung, den Architekten darauf hinzuweisen, daß es die Urheberbezeichnung „in der begehrten Form für zu weitgehend, weil nicht hinreichend dezent“ halte.

Was hinreichende Dezenz und die Gestaltungshöhe von Bauwerken betrifft, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Den 87 531 Architekten, die in der Bundesrepublik tätig sind, können diese Aspekte nicht gleichgültig sein. In ihrem und in unserem Interesse haben wir uns um Vorschläge bemüht.

Erstens: Gestaltungshöhe. Da braucht es endlich eine präzise Definition. Ohne eine genaue Festschreibung ist die ästhetische Qualität von Werken der Baukunst nicht zu ermitteln, weder von Architekten noch von Laien.