Besitzer deutscher Aktien mußten in den vergangenen Tagen Kursverluste hinnehmen. Das liegt unter anderem an den wieder steigenden Kapitalmarktzinsen und dem schwachen Dollar. Zudem setzt sich die Meinung durch, daß die prognostizierten Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen oftmals längst in den Kursen berücksichtigt sind. So kommt es, daß auch günstige Halbjahresberichte kaum noch Auswirkungen auf die Notierungen haben.

Ein Musterbeispiel dafür ist Mannesmann. Das Unternehmen kann offenbar die Früchte einer harten Umstrukturierung ernten und rechnet für 1994 mit schwarzen Zahlen. Da aber der Umschwung schon mehrfach angekündigt worden war, blieb eine positive Wirkung auf den Aktienkurs aus. Dagegen sind die Börsianer gegenüber negativen Nachrichten hellhörig geworden. Kritische Anmerkungen des VW-Chefs Ferdinand Piëch über die Aussichten der deutschen Automobilindustrie in den kommenden Monaten lösten Kursstürze bei den Autoaktien aus. Sie trugen wesentlich dazu bei, daß der Deutsche Aktienindex (Dax) seit langer Zeit wieder einmal unter die Marke von 2100 fiel.

Die Schwäche am Rentenmarkt ist voll auf die Notierungen der Bankaktien durchgeschlagen. Die Verkäufer sitzen offenbar nicht nur im Ausland, auch deutsche institutionelle Anleger dürften sich angesichts der weltweit steigenden Zinsen von den Finanztiteln verabschiedet haben. Die Banken berichten, daß die Umschichtung von Termineinlagen in festverzinzliche Papiere weitgehend zum Stillstand gekommen ist. Wahrscheinlich wird dies den diversen Geldmarktfonds zugute kommen, deren Renditen aus heutiger Sicht die Festgeldzinsen übertreffen werden.

Die Auseinandersetzungen zwischen Schering und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte über die möglicherweise krebsfördernde Wirkung einiger Schering-Präparate halten den Schering-Aktienkurs immer noch unter Druck. Teilweise stiegen die Anleger in andere Chemie-Werte wie Henkel oder Degussa um. Dennoch konnten sich auch diese Papiere nicht dem allgemeinen Abwärtstrend entziehen.

Hoffnungen setzen die Börsianer jetzt auf die Bundesbank. Dabei gehen die Meinungen darüber, ob die Leitzinsen auf der nächsten Zentralbankratsitzung am 1. September gesenkt werden oder nicht, weit auseinander. K. W.