Ich hätte die beiden warnen sollen. Aber sie waren zu weit weg. Sie hatten ihren Wagen direkt unter dem Halteverbotsschild abgestellt. Und als sie nach etwa zwei Stunden zurückkamen – vermutlich waren sie im nahen Restaurant essen gegangen –, da war ihr Auto weg.

Geklaut oder abgeschleppt? Das war die Frage. Ich hätte die beiden beruhigen können: Ihr Wagen war nur abgeschleppt. Falls das überhaupt eine Beruhigung ist. Ich hatte das alles am lauen Sommerabend von meinem Balkon aus beobachtet: Wie erst die Polizei kam mit zwei Peterwagen. Und dann der Abschlepptransporter mit einem Kran. Und dann die Zuschauer. Die einen hämisch: Die haben doch selbst schuld. Die anderen empört: Hat die Polizei eigentlich nichts Besseres zu tun? Man kann die Reaktionen der Leute selbst über eine gewisse Distanz ablesen aus ihren Gesten. Und danach hatte die Polizei einen schweren Stand.

Tatort Oevelgönne an der Elbe. Was die beiden nicht wissen konnten: Wenn nur ein Auto im Halteverbot steht, dann wird abgeschleppt; stehen da aber mehrere, dann gibt es nur Strafzettel. Die Ungerechtigkeit, die in dieser Strafverfolgung liegt, bedarf einer Erklärung. Wenn der Straßenrand in Oevelgönne mit Falschparkern zugepflastert ist, kommt weder der Bus der Linie 183 durch noch der Abschlepptransporter. Und dann verdrückt sich auch die Polizei.

Oevelgönne an der Elbe gilt als Hamburger Naherholungsgebiet. Weite Wege sind verpönt. Und je lauer der Abend, desto größer das Bedürfnis, mit dem Cabrio direkt vorzufahren. Am liebsten direkt in die Küchen der zahlreichen Fischrestaurants.

Es geht auf Mitternacht zu. Ich genieße den Abend auf meiner „Brücke“. Der Straßenrand ist nun leer. Motorräder sind noch da; aber die stehen nicht im Halteverbot, sondern auf dem Bürgersteig. Ein einsamer Peterwagen fährt langsam um die Kurve. Gerhard Seehase