Deutsch amerikanisches Volksfest am Hüttenweg in Berlin Dahlem: Fahrgeschäfte, Schießbuden, Hamburger Stände. Es gibt etwas ist ganz anders: Man sieht kaum noch Amerikaner.

Am Eingang des großen Einkaufszentrums an der Truman Plaza klebt ein Plakat: "Last Chance Yard Säle" - Ausverkauf. Die Geschäfte sind tot und leer. Am Eingang stehen zwei Wachmänner Deutsche "Amerikaner", sagt der eine, "sind hier eine aussterbende Rasse Das kann man auch von den Russen behaupten. Am 31. August verläßt der letzte russische Soldat die Stadt. Eine Woche später sagen die westlichen Alliierten Stadt - jetzt geht die Ära zu Ende.

Rund 6000 amerikanische, 3600 V britische und 2600 französische Soldaten standen einmal im Westteil, in Ost Berlin waren 3000 Rotarmisten stationiert. Die Westalliierten haben mit ihren Soldaten, Diplomaten, Familienangehörigen und über 11000 meist deutschen Zivilangestellten die Stadt unübersehbar geprägt. Da gab es die Volksfeste, das Militärspektakel "British Tattoo", den Volkslauf "25 kilometres de Berlin", die Paraden, die Radiosender, ein reges gesellschaftliches Leben, Freundschaften und Ehen mit Deutschen. Die Sowjets dagegen lebten hinter Mauern "Die haben einen Fehler gemacht", sagt ein Ostberliner, "man kam nicht an sie heran "

Das sowjetische Ehrenmal in Treptow zeigt schon deutliche Spuren beginnenden Verfalls. Aber es soll stehenbleiben mit seinem 13 Meter hohen Soldaten, der trauernden Mutter und den 28 Reliefs, die die Geschichte des Krieges erzählen. Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, dieses und andere sowjetische Denkmäler zu er- B halten und zu pflegen.

Das wird allein in Treptow eine runde Million Mark kosten. Zum Abschied der russischen Truppen am 31. August will der Berliner Senat frische Blumen pflanzen.

Soldaten der Roten Armee waren die ersten, die den Stadtrand von Berlin am 21. April 1945 erreicht hatten. Der Häuser- und Straßenkampf begann, die letzte, ebenso entnervende wie grauenhafte Phase des Krieges "Genießt den Krieg, der Frieden wird fürchterlich", hatten die Berliner noch im Sommer zuvor gewitzelt. Doch nun sehnten sie den Frieden herbei. Viele hofften, daß nicht nur die Russen von Osten, sondern auch die Amerikaner von Westen her die Stadt erobern würden. Vor den Rotarmisten hatten die Menschen Angst; da zeigte die Nazipropaganda Wirkung. Von den Amerikanern erhofften sie Gnade und Schokolade.

In der Nacht zum 2. Mai verhandelte der Befehlshaber des Verteidigungsbereichs Berlin, General Helmuth Weidling, auf dem sowjetischen Gefechtsstand der 47. Garde Schützendivision im Hause Schulenburgring 2 in Tempelhof über die Kapitulation. Rund 60 000 deutsche Soldaten waren beim Kampf um Berlin gefallen, über 130 000 gingen in Gefangenschaft. Die Zahl der sowjetischen Opfer wird mit 22 000 angegeben. Im April und Mai kamen rund 25 000 Zivilisten durch Kugeln, Granaten und Feuer ums Leben; fast ebenso viele starben an Krankheiten - dreimal mehr als im Jahresdurchschnitt 1944. Von 1 5 Millionen Wohnungen in Berlin war über ein Drittel zerstört, ein weiteres Drittel war mehr oder weniger stark beschädigt.