Urlaub: Sommer, Sonne, Strand und – da war doch noch was. Das fällt uns ein, nachdem uns jüngst ein großes deutsches Magazin auf die Sprünge half.

Nie, so wurde dort die Münchner Gesellschaft für Rationelle Psychologie als Zeuge herangezogen, sei man für Affären so empfänglich wie im Urlaub.

Nun, offen gesagt, gehören wir längst zu jenen Urlaubern, die das Sterne-Restaurant in der Toskana der Disco auf Ibiza vorziehen. Last minute in den Flieger zu stürzen, um heiße Nächte an heißen Stränden zu verbringen, ist unsere Sache nicht mehr. Aber es soll ja Leute geben, die so was mögen. Ganz abgesehen davon, machen wir seit Jahren ohnehin nur noch in trauter Zweisamkeit Ferien. So können wir theoretisch auch gar nicht zu jenen sechs Prozent zählen, die sich, so eine englische Studie, Affären im Urlaub hingeben.

Doch wenn wir ehrlich in uns hineinhören: So ganz unbeeindruckt läßt uns die Geschichte mit dem Urlaubsflirt nicht. Daß es bei manchen nicht nur in den Knochen knistert, wenn sie auf Kur gehen, haben wir doch immer wieder den Gazetten entnommen. Und es soll doch schon mancher aus dem Jungbrunnen aufgetaucht sein, allerdings immer ohne das alte Ehegespons. Waren wir nicht deshalb stets darauf bedacht, kurmäßig gemeinsam unsere Malaisen zu lindern.

Man muß ja so vorsichtig sein. Als Muster an fürsorglicher Partnerin achte ich allzeit darauf, daß wir immer ganz am Ende des Strandes ein ruhiges Eckchen finden, dort, wo sich keine knackigen Achtzehnjährigen mehr hin verirren. Gefühlvoll kümmere ich mich auf jeder Studienreise sofort um die frisch geschiedene Mittdreißigerin: Flugs sorge ich mich darum, daß sie immer einen guten Platz findet – möglichst weit weg von uns. Und damals beim Schnuppergolf. War die Lehrerin nicht eigentlich doch zu jung und zu blond für ihre Profession? Ich habe ja kaum was gelernt, weil sie sich so intensiv den Probeschwüngen meines Partners gewidmet hat. Wir üben übrigens jetzt bei einem netten älteren Herrn.

Ferienflirts, ja, das war einmal, aber vielleicht könnten ja tief im Inneren Funken des früheren Feuers noch glimmen. Greifen wir tief zurück in die Erinnerungskiste, damals, als wir noch frank und frei und billig mit dem Bus in den Süden düsten. Damals, zu den Zeiten, als noch die legendären Latin Lovers ihre große Auftritte hatten zwischen Rimini und Grado. War ich nicht doch leicht indigniert, wenn der cameriere nicht schon nach den Tagliatelle, sondern erst nach dem Fruchtsalat erzählte, er habe seine Vespa vor dem Hause stehen und wüßte ein ganz tolles Tanzlokal?

Das italienische Kulturinstitut hatte damals einen tollen Zulauf, weil auch meine Freundinnen italienische Vokabeln büffelten, prophylaktisch, es könnte nach all den heißen Liebesschwüren ja doch ein Anruf kommen – oder eine Ansichtskarte von Tino oder Rino. Gekommen sind sie selten. Auch die entsprechenden Herren meist nicht. Und vielleicht war das auch gut so. Wer weiß, was im kalten Hamburger Winter aus dem heißen Flirt mit Rino oder Toni geworden wäre. Denn, und hier berufe ich mich wieder auf die englische Studie, nur ein verschwindend geringer Prozentsatz (drei) von Urlaubsflirts führt in eine dauerhafte Beziehung.