So hatte sich Richard Branson, Chef des englischen Virgin-Konzerns, das wohl nicht vorgestellt. Seine blitzmodernen CD-Geschäfte, ab 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche nennt er sie „Megastores“, machen der Reihe nach dicht. In Berlin war es Ende Juni soweit, und die Hamburger Mega-Filiale entläßt ihre 21 Beschäftigten zum 1. Oktober – nur fünfzehn Monate nach der Eröffnung. Susanne Danner, bei Virgin zuständig für Marketing in Nordeuropa, nennt zwei Ursachen: zu hohe Ziele und zu hohe Mieten. Zwar seien die in Hamburg erreichten 23 Prozent Marktanteil „sehr erfolgreich“, jedoch weniger als erwartet. Branson, das ist bekannt, läßt von Erfolgreichem eigentlich die Finger nicht. So aber bleibt in Deutschland derzeit nur der Frankfurter Megastore übrig. Virgin wird vorsichtig: Lediglich kleine „Satelliten-Stores“ im Frankfurter Umland seien noch geplant. „Die haben den harten Konkurrenzkampf der großen Ladenketten unterschätzt“, sagt Bodo Bochnig, Vorsitzender des Fachverbandes Tonträger.

Doch nicht nur die Megaläden bleiben beim Preiskampf auf der Strecke, sondern in erster Linie trifft er die servicebetonten, unabhängigen Fachhändler. Ihr Bestand hat sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert – auf 300. „Verdrängungswettbewerb“ nennt das Helmut Fest, Geschäftsführer der EMI Electrola GmbH. Die Konzentration im Tonträger-Handel bereitet nun auch der Plattenindustrie zunehmend Sorge. Fest: Jede vierte Platte wird mittlerweile über ein Unternehmen der Metro-Gruppe verkauft. Was glauben Sie denn, welche Macht die EMI dagegen hat?“

Aus eins mach zwei: Dieter Gorny, Geschäftsführer des Kölner Musiksenders Viva TV, will mit einem zusätzlichen Programm auf Sendung gehen: mit Viva 2, einem Spartenkanal für die Musikgucker ab 30. Das Original, erst Anfang des Jahres als Konkurrenz zum Clip-Sender MTV gegründet, entpuppt sich als Goldgrube. Statt der für 1994 erwarteten sieben Millionen Mark Werbeeinnahmen hatte Gorny im Juli bereits zwölf Millionen beisammen.

Kein Wunder, daß die Gesellschafter von Time Warner, Sony, Polygram und Thorn EMI da fix noch einmal nachlegen möchten, zumal mit Sun TV, RTL Club, Nickelodeon und Kabel 2 schon Konkurrenten für die knappen Kabelplätze bereitstehen. Vivas Lizenzantrag von vergangener Woche macht denn auch einen eiligen Eindruck. Noch hat Hartmut Gläsmann von der Landesanstalt für Rundfunk NRW erst ein Blättchen mit Gornys Unterschrift vorliegen – „Unterlagen werden nachgereicht“.

Falls Gorny die beantragte Satellitenzulassung bekommt, gilt die Clip-Küche wie ARD und ZDF als „einstrahlendes Programm“ und hat damit Priorität beim Gedränge! um die Kabeleinspeisung. Ein sogenanntes herangeführtes Programm müßte weichen. Welches, ist natürlich noch unklar. Klar ist: MTV ist herangeführt.

Kleine benzinsparende Minis mit pfiffigem Design sind schon länger in, aber der führende europäische Autokonzern, Volkswagen, hat in dieser Klasse bis heute nur sein dreizehn Jahre altes Modell Polo zu bieten. Das triste Resultat: Die jüngeren Autos der Konkurrenz hängen den VW-Oldie klar ab, von dem im vergangenen Jahr auf den westeuropäischen Märkten gerade 189 000 Stück verkauft werden konnten. Vorneweg fahren Ford Fiesta (444 000), Renault Clio (425 000), Fiat Uno (352 000), Opel Corsa (346 000) und Peugeot 106 mit 268 000 Exemplaren.

Im Herbst kommt nun endlich ein neuer Polo zu den Händlern, der Volkswagens Rückstand verringern soll. VW-Chef Ferdinand Piëch, der seinen Konzern in diesem Jahr in die schwarzen Zahlen führen will, nachdem 1993 einen Verlust von 1,94 Milliarden Mark brachte, kündigte jetzt ein Verkaufsziel für 1995 von 350 000 Polo-Fahrzeugen an.