Deutsche Staatsbürger genießen weltweit beinahe grenzenlose Reisefreiheit. Menschen ohne Paß eines EU-Staates müssen eine Menge bürokratischer Hindernisse überwinden, um eine Reise nach Deutschland oder in einen anderen westeuropäischen Staat zu unternehmen.

Zu Zeiten des Eisernen Vorhangs hatten westeuropäische Politiker die Regimes des Ostblocks immer wieder aufgefordert, ihren Bürgern Reisefreiheit zu gewähren. Nun stellt der Westen vielen Ost- und Südosteuropäern hohe Hindernisse in den Weg.

Während Polen, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Slowenen und Kroaten (und beispielsweise die Bürger fast aller südamerikanischen Länder) inzwischen ohne Visum die deutschen Grenzen passieren dürfen, gilt dies nicht für die Bürger der früheren Sowjetunion, Bulgaren, Rumänen, Bosnier, Serben – und übrigens auch für Türken. Es handelt sich in erster Linie um Länder, deren Bürgern die „Rückkehrwilligkeit“ abgesprochen wird.

Schon heute steht fest, daß die Visumpflicht für Bürger der GUS-Staaten noch auf unabsehbare Zeit bestehen bleiben wird. Viele Menschen im ehemaligen Ostblock haben auch fünf Jahre nach dem Zusammenbruch des Sozialismus kaum Aussichten auf eine wenigstens theoretische Freizügigkeit.

Aus Furcht vor einer unkontrollierten Einreisewelle verweigerte die Bundesrepublik die zuvor versprochene Visumfreiheit für Reisende aus den drei baltischen Staaten. Darum brauchen im Gegenzug auch deutsche Touristen einen Sichtvermerk für die Reise nach Estland, Lettland und Litauen.

Allerdings kommt man als Deutscher ohne Schwierigkeiten an den begehrten Stempel. Anders viele Osteuropäer: Sie müssen Wochen oder Monate auf ein Touristenvisum warten und für die Gebühren häufig einen Monatslohn aufwenden.

Die Botschaften und Konsulate, die dem Auswärtigen Amt unterstehen, wirken allerdings nur als ausführendes Organ. Grundlage für die Einreisebestimmungen ist das Ausländergesetz, für dessen Anwendung das Bundesinnenministerium zuständig ist. Diese Behörde regelt auch die Einzelheiten bei der Visumerteilung.