Von Marco Finetti

Arbeitsmarkt- und Berufsforscher, Bildungspolitiker und nicht zuletzt Industrie und Wirtschaft sind sich einig: Weiterbildung wird immer wichtiger. Einmal erworbenes Wissen veraltet angesichts des rasanten wissenschaftlich-technischen Wandels zusehends rascher und reicht bei weitem nicht mehr für ein ganzes Berufsleben aus. „Lebenslanges Lernen“ ist längst keine bildungspolitische Floskel mehr, sondern pure Notwendigkeit geworden: Nur wer seine Kenntnisse und Qualifikationen immer wieder erweitert und erneuert, kann seine berufliche Position auf Dauer sichern; wer sich nicht kontinuierlich weiterbildet, hat dagegen kaum noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Gleiches gilt für Betriebe und Unternehmen: Auch sie verlieren den Anschluß, wenn sie das Wissen ihrer Mitarbeiter nicht laufend auf dem neuesten Stand halten.

Entsprechend groß sind derzeit fast überall die Anstrengungen zur Weiterbildung: Viele Unternehmen, aber auch Arbeitgeber der öffentlichen Hand investieren trotz Rezession und leerer Kassen verstärkt in betriebliche und interne Weiterbildung. Auf dem noch größeren und lukrativeren außerbetrieblichen Weiterbildungsmarkt tummeln sich schon jetzt Tausende privater Anbieter – und es werden immer mehr.

Da will auch jene Säule des Bildungssystems nicht länger zurückstehen, die sich in der Vergangenheit stets schwer mit der Weiterbildung getan hat: die Hochschule. Zwar gehört die „wissenschaftliche Weiterbildung“ schon seit 1976 zu den gesetzlichen Aufgaben der Universitäten und Fachhochschulen, doch spielte sie in der Praxis lange Zeit so gut wie keine Rolle. Seit jeher im Schatten von Forschung und Lehre, blieb sie „das ungeliebte Stiefkind der Hochschulen“ (Deutsche Universitätszeitung).

Inzwischen aber hat auch die Alma mater die Weiterbildung entdeckt. Vor allem in den beiden letzten Jahren ist die Zahl ihrer Weiterbildungsangebote sprunghaft angestiegen und umfaßt mittlerweile bereits über tausend Veranstaltungen unterschiedlichster Art:

  • Aufbau- und Zusatzstudien für Akademiker, die sich zwischen Hochschulabschluß und Berufseinstieg praxisnäher als während des Studiums qualifizieren wollen;
  • Ergänzungsstudien für bereits berufstätige Akademiker, die ihre Kenntnisse berufsbegleitend erweitern und erneuern wollen;
  • weiterbildende Studien für Berufstätige ohne Hochschulabschluß, die in ihrer beruflichen Tätigkeit – etwa als Meister – jedoch vergleichbare Qualifikationen erworben haben;
  • Um- und Nachqualifizierungsmaßnahmen für Absolventen der DDR-Hoch- und Fachschulen;
  • Sommeruniversitäten und das vielerorts inzwischen wieder ins Leben gerufene Studium generale.

Das Themenspektrum dieser Veranstaltungen reicht von „Arbeitssicherheit“ und „Ausländerpädagogik“ über „Personalentwicklung im Betrieb“ und „Pflegedienstleistung im Krankenhaus“ bis zu „Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung“ und „Zuckertechnologie“. Besonders zahlreiche Studiengänge und Kurse befassen sich mit aktuellen Themen wie „Ökologie“ und „Informationsmanagement“. Die meisten Weiterbildungsmaßnahmen veranstalten Universitäten und Fachhochschulen in eigener Regie, einige aber auch gemeinsam mit Berufsverbänden, Handwerkskammern oder privaten Anbietern. Auch erste grenzüberschreitende Weiterbildungskooperationen mit Partnerhochschulen aus europäischen Nachbarländern existieren bereits.