Unternehmen aus den alten Bundesländern beklagen sich, daß der Bund ihnen bei Ausfuhren nach Rußland und anderen GUS-Staaten kaum noch Bürgschaften für Exportkredite gewährt. Halten Sie diese Blockade für gerechtfertigt?

MOSDORF: Nein. Da muß etwas passieren. Die zuständigen Minister in der Bundesregierung haben informell vereinbart, daß nur noch Exporte in diese Staaten durch Hermes-Bürgschaften abgesichert werden, wenn mindestens achtzig Prozent der Wertschöpfung in Ostdeutschland erfolgen.

Ist das nicht eine sinnvolle Förderung der ostdeutschen Unternehmen, die es ohnehin viel schwerer haben als ihre westdeutsche Konkurrenz?

MOSDORF: Es geht überhaupt nicht darum, den Ostdeutschen etwas wegzublocken. Im Gegenteil: Wir müssen ihre Kontakte, ihre Sprachkenntnisse im Interesse der Wirtschaftsbeziehungen nutzen. In der Praxis bedeutet aber die Achtzigprozentregel eine Vollblockade für die ostdeutschen wie für die westdeutschen Betriebe. Denn auch die Unternehmen aus den neuen Ländern kommen fast nie auf eine ostdeutsche Wertschöpfung von achtzig Prozent. Das ist in einer hocharbeitsteiligen Volkswirtschaft auch gar nicht denkbar. Umgekehrt erreichen selbstverständlich auch westdeutsche Unternehmen niemals diesen Prozentsatz, selbst wenn sie möglichst viel in den neuen Ländern produzieren.

Sind denn überhaupt neue staatliche Bürgschaften zu rechtfertigen? Die Russen haben sich ja in der jüngsten Vergangenheit häufig als schlechte Kunden erwiesen, die ihre Rechnungen nicht bezahlt haben.

MOSDORF: Deshalb hat die Bundesregierung den Bürgschaftsplafond für Rußland in diesem Jahr drastisch herabgesetzt, und zwar auf 2,5 Milliarden Mark. Das ist auch nicht zu kritisieren.

Was wollen Sie denn ändern?