Notfalls über den Atlantik schwimmen wollte Bayer-Chef Manfred Schneider, um die während des Ersten Weltkrieges in den USA konfiszierten Schutzrechte am Namen Bayer und dem weltbekannten Bayer-Kreuz zurückzugewinnen. Er hätte es einfacher haben können, aber nicht billiger: zum Preis von 2,92 Milliarden Dollar. Für diese Summe übernimmt der britisch-amerikanische Pharmariese SmithKline Beecham seinen US-Konkurrenten Sterling Winthrop. Der bisherige – hochverschuldete – Eigentümer Eastman Kodak will sich ganz auf das Photogeschäft zurückziehen. In einem von der Investmentbank Goldman-Sachs gemanagten Bietgefecht hatte Bayer wesentlich weniger geboten als SmithKline Beecham unter seinem neuen Chef Jan Leschly.

Zwar wollen die Leverkusener jetzt „umgehend“ mit dem neuen Sterling-Eigentümer Gespräche über einen Weiterverkauf des US-Geschäftes mit verschreibungsfreien Arzneimitteln und die damit verknüpften Bayer-Namensrechte aufnehmen. Daß SmithKline Beecham Teile der Kodak-Tochter an Bayer abgeben wird, ist aber unwahrscheinlich, zumal das Geschäft mit freiverkäuflichen Medikamenten in Amerika sehr attraktiv ist. Schlimmstenfalls könnten die neuen Sterling-Herren die bisher nur zurückhaltend (lediglich bei einem Aspirin-Schmerzmittel) eingesetzten Bayer-Insignien künftig sogar offensiver verwenden – eine für die Bayer-Manager entsetzliche Vorstellung.

Über einen Mangel an Problemen kann die Treuhand-Chefin Birgit Breuel nicht klagen. Ihr jüngstes betrifft die ehemaligen DDR-Interhotels, die eigentlich schon längst in neuer Hand sein sollten. Doch der Verkauf der Kette, einer der größten Deals der Privatisierungsbehörde, ist wegen ungeklärter Eigentumsverhältnisse ins Stocken geraten. Die Investorengemeinschaft um die Berliner Unternehmer Klaus Groenke und Axel Guttmann hat es bislang nicht geschafft, auch nur eines der insgesamt 27 Hotelgrundstücke endgültig ins Grundbuch eintragen zu lassen. Dabei war das 2,1 Milliarden Mark schwere Geschäft Bühne im November 1991 über die Bühne gegangen. Laut Klaus Groenke haben mehr als hundert Alteigentümer Ansprüche auf fünfzehn Immobilien angemeldet. Allein auf dem „Grand Hotel“ in der Berliner Friedrichstraße lasten fünfzehn Ansprüche. Zumindest ein Teil des Mega-Deals droht nun zu scheitern. Die Treuhand müßte – das sieht eine Klausel im Privatisierungsvertrag vor – einzelne Häuser letztlich zurücknehmen und die Kaufpreise zurückerstatten.

Birgit Breuel nimmt die Angelegenheit denn auch sehr ernst: Sie hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die nach möglichen Problemlösungen fahnden soll.

Ein deutsches Brokerhaus schöpft Hoffnung: Nach Jahren heftiger Auseinandersetzungen und geschäftlicher Schwierigkeiten scheint die Frankfurter Wertpapierfirma Hornblower Fischer wieder ruhigeren Zeiten entgegenzusehen. Auf der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft ging es erstaunlich friedlich zu – im Gegensatz zu früheren Aktionärsversammlungen, als „schmutzige Wäsche in feinen Kreisen“ gewaschen wurde. Nach dem Tod von Firmengründer Norbert Fischer Anfang des Jahres und dem Ausstieg der Wiener Effectlnvest Bank haben acht Manager zum Preis von rund neun Millionen Mark ein größeres Aktienpaket übernommen. Sie wollen das Unternehmen, das gegenwärtig rund hundert Leute beschäftigt, mit frischem Elan voranbringen. Die ersten Schritte scheinen erfolgversprechend. Nach zwei dividendenlosen Jahren meldet Hornblower Fischer steigende Umsätze und Gewinne. Dies ist für die Aktionäre, die von Anfang an dabeiwaren, allerdings ein schwacher Trost. Der Kurs des Papiers lag mit zuletzt des Papiers lag mit zuletzt rund 80 Mark weit unter dem Preis von 210 Mark, zu dem die Aktien 1987 auf den Markt gebracht worden waren.

Lange mußten die privaten Versicherungsunternehmen warten, bis die Gebietsmonopole öffentlicher Gebäudefeuerversicherungen in Deutschland abgeschafft wurden. Am 1. Juli war es soweit: Die Hauseigentümer sind nun auch bei der Wahl ihrer Feuerversicherung frei. Doch der Wechsel zu einem privaten Versicherer gestaltet sich schwieriger als erwartet. So müssen die Hypothekengeber, die Banken und Sparkassen also, ihre Zustimmung geben.

Diese Hürde, die der Gesetzgeber zum Schutz Gläubiger vorgesehen hat, empfindet Jürgen R. Hoffmann, Vorstandsmitglied der Württembergischen Versicherung, als Zumutung. Gern würde er das Verfahren durch eine Vereinbarung über pauschale Freistellungserklärungen vereinfachen. Doch die württembergischen und badischen Sparkassen, mit einem hohen Anteil im Hypothekengeschäft im Ländle, verweigern sich einem solchen Abkommen. Überdies zögerten die Institute oft die Zustimmung für wechselwillige Hypothekenkunden hinaus, beklagt Hoffmann. Offenbar wollen die Kassen ihre Kunden in den beiden sparkasseneigenen Gebäudebrandanstalten des Landes halten. Nun hofft Hoffmann auf Brüssel. Vielleicht übe das von der EU-Kommission eingeleitete Vertragsverletzungsverfahren gegen die umständlichen deutschen Vorschriften genügend Druck auf Bonn aus, damit das Gesetz nachgebessert wird.