Als Ende vergangenen Jahres die Anleiherenditen weltweit ihren Tiefpunkt erreichten, hatten die Zinsjäger unter den Geldanlegern einen schweren Stand. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit warfen damals nur rund 5,5 Prozent ab. Und auch in vielen traditionellen Hochzinsländern war zu diesem Zeitpunkt nur wenig mehr zu holen. Allenfalls in Italien und Spanien waren acht Prozent drin.

Seither hat sich das Blatt gewendet. Anleihen in fremder Währung locken wieder mit stolzen Renditen. In Italien, Spanien und Schweden werfen zehnjährige Anleihen Erträge von über elf Prozent ab. Und auch in Währungen, die sich bei deutschen Sparern seit langem, großer Beliebtheit erfreuen, winken wieder deutlich höhere Zinsen als in Deutschland: in australischen Dollar 9,4 Prozent, in kanadischen Dollar 8,8 Prozent und in Pfund Sterling 8,7 Prozent. Zehnjährige deutsche Staatsanleihen bringen gegenwärtig nur 7,2 Prozent Rendite.

Doch so verlockend die Aussichten auf ein paar zusätzliche Prozentpunkte auch sein mögen: Ob sich die Sache tatsächlich rechnet, hängt von der Entwicklung des jeweiligen Wechselkurses und – bei einem Verkauf der Papiere vor dem Ende seiner Laufzeit – des Zinsniveaus ab.

Kapitalmarktexperten der Bank Hofmann AG in Zürich haben mit spitzem Bleistift nachgerechnet und warten mit verblüffenden Ergebnissen auf: Wer zum Beispiel seit Anfang 1980 konstant ein Portefeuille von Pfund-Sterling-Staatspapieren gehalten hat, erzielte demnach bis heute eine Wertsteigerung von 306 Prozent – in Mark gerechnet. Vergleichbare deutsche Staatsanleihen warfen im gleichen Zeitraum nur 206 Prozent ab. Ein deutscher Investor, der sich erst neun Jahre später entschloß, britische Staatsanleihen zu kaufen, ließ sich auf ein wesentlich schlechteres Geschäft ein. Mit britischen Staatspapieren waren – wiederum bis Mitte 1994 und in Mark gerechnet – nur 30 Prozent zu verdienen, während deutsche Regierungstitel immerhin 48 Prozent Wertsteigerung erbrachten.

Auch die weiteren Vergleiche der Bank Hofmann zeigen, daß es beim Kauf von festverzinslichen Wertpapieren in fremder Währung in erster Linie auf den richtigen Zeitpunkt ankommt. So sei mit Anleihen in australischen Dollar von Anfang 1987 bis Mitte 1994 eine Wertsteigerung um 156 Prozent möglich gewesen, mit DM-Anleihen dagegen nur um 62 Prozent. Wer sein Geld schon zwei Jahre früher auf dem fünften Kontinent anlegt hatte, schnitt dagegen wegen des rasanten Kursverfalls der australischen Währung weit schlechter ab als mit DM-Papieren: 62 Prozent zu 97 Prozent. Mit Zinsanlagen in kanadischen Dollar machten deutsche Anleger ähnlich unterschiedliche Erfahrungen.

Die Beispielrechnungen bestätigen eine fast schon triviale Grundregel: Wer in Märkte mit hohen Renditen investiert, muß auch mit hohen Risiken rechnen und gelegentlich starke Kursschwankungen hinnehmen. Für den Kauf von festverzinslichen Wertpapieren in den drei genannten Währungen verbreiten die Schweizer Banker gegenwärtig Zuversicht: erfreuliche Wachstumsaussichten und niedrige Inflationsraten in Australien; und auch Kanada und Großbritannien böten ein solides Fundament für eine positive Wertentwicklung. Das Gespür für den rechtzeitigen Ausstieg und die Nerven, Rückschläge zu verkraften, muß der Anleger freilich selbst mitbringen.