Wer könnte die Schule wohl besser beurteilen als jene, die sie täglich erleben – die Schüler? Sie aber werden so gut wie nie befragt, wenn es wieder einmal darum geht, wie gut oder wie schlecht unsere Schulen nun wirklich sind. Wir baten deshalb einige Schüler: Überlegt doch einmal, was euch an der Schule, so wie sie ist, am wenigsten gefällt und wie sie statt dessen sein sollte. Alle Befragten – bis auf die Oberstufenschüler, die am Schluß eine Art Bilanz ihrer Schulzeit ziehen – sind zwischen elf und fünfzehn Jahre alt, und alle gehen in dieser Republik zum Gymnasium. Das Ergebnis der kleinen Anfrage ist natürlich nicht repräsentativ im Sinne unserer Umfrage-Gesellschaft, reich an Aufschlüssen über den Schulalltag ist es gleichwohl. Die Kritik ist bedeutend farbiger ausgefallen als die Vision. Allen scheint das, was ist, sehr viel mehr am Herzen zu liegen als das, was sein könnte. Und alle sind sich offensichtlich darüber einig, daß die Schule immer nur so gut oder so schlecht ist wie die Lehrer. Nicht die überfüllten Klassen, die ungerechten Noten, die schlechten Lehrpläne sind aus Schülersicht schuld, wenn mit der Schule etwas nicht stimmt, sondern immer die Lehrer: Nicht das System, sondern die Person gibt den Ausschlag. Da gerät man beim Lesen der Schülerpost dann doch ins Grübeln: Lehrer, die im Unterricht Kaugummi kauen, die zu spät kommen, die gelangweilt ihr Pensum abspulen, die unkonzentriert, schlechtgelaunt und mitunter gar inkompetent sind – das scheint fast Schulalltag zu sein. Sicher entlädt sich der Schülerzorn besonders lustvoll und ausgiebig über diesen schwarzen Schafen unter ihnen. Trotzdem fällt auf, wie selten von „guten“ Lehrern die Rede ist. Während sich die Schülerwünsche, was die Schule angeht, eher bescheiden ausnehmen – mehr Arbeitsgemeinschaften, schönere Klassenräume, bessere Wahlmöglichkeiten, ein Schulbüdchen –, steigen die Ansprüche an die Lehrer. Lehrer müssen Spaß verstehen und nicht so streng sein, gleichwohl „autoritär“ und durchsetzungsfähig. Sie müssen sich sowohl für ihr Fach wie für ihre Schüler interessieren und auch noch die langweiligsten Fächer „spannend“ machen und gut erklären können. Ein Ideal, das viele Lehrer nur noch als Überforderung empfinden. Trotzdem: Selbst die erwachsenen Schüler urteilen rückblickend, daß die „soziale Kälte“ an den Schulen zunehme – wegen der pädagogischen Unzulänglichkeit der Lehrer.

So könnte die Bilanz dieser kleinen Briefaktion vielleicht lauten: Für die meisten Schüler sind viele Lehrer eben immer noch nicht gut genug. Sabine Etzold