In Deutschland eskaliert zur Zeit der Streit um die verordnete Roßkur aus der amerikanischen DEC-Zentrale. Noch vor einem Jahr erkämpften die Mitarbeiter in einem vierzehntägigen Streik einen Haustarifvertrag, der weitreichende soziale Standards absichert und die „Umstrukturierung der DEC-Betriebe sozial begleitet“, wie damals die IG Metall glaubte. Gleichzeitig wurde ein Sozialplan vereinbart, um Kündigungen abzufedern.

Als könne er es selbst noch nicht so recht glauben, schrieb der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Wigand Cramer, ins Vorwort des gerade erschienenen Buches über diesen außergewöhnlichen Arbeitskampf (Titel: „Hardware Software Gegenwehr“): „Ein reiner Angestelltenbetrieb in der glitzernden High-Tech-Welt hatte inmitten einer Rezession erfolgreich gestreikt.“ Der Vorgang sei vor allem deshalb so erstaunlich, weil die Zeichen doch eher auf „soziales Rollback“ gestanden hätten.

Im Juli dieses Jahres geschah dann das für Betriebsräte und Gewerkschafter schier Unglaubliche: Die deutsche Geschäftsführung kündigte das gesamte Regelwerk fristlos. Gegen diese „Texas-Methode“ zogen die Arbeitnehmer erneut auf die Straße – und vor den Kadi. Nun hängt es von den Arbeitsrichtern in München ab, zu welchen Bedingungen der Personalabbau in Deutschland weitergehen kann.

Bereits im Herbst 1993 einigte man sich darauf, die Mitarbeiterzahl bis Ende 1994 um rund ein Drittel auf 3900 zu reduzieren. Cramer glaubt indes nicht mehr, daß es dabei bleibt. Er befürchtet, daß die Anzahl der Jobs hierzulande auf 2000 schrumpfen wird.

Arbeitsdirektor Klaus Lutz in München hat bereits Kontakt zu einschlägigen Beratern aufgenommen, die ihm bei seiner heiklen Aufgabe helfen sollen. Unter ihnen „ausgerechnet Ludwig M. Tränkner, der ehemalige Liquidator der Treuhandanstalt“, entrüstet sich die IG Metall. Inzwischen hat er sich mit der MPI Management Partner für Industrie AG selbständig gemacht und bietet seine Dienste als Spezialist für Abwicklungen an.

In dieser Rolle blieb Tränkner indes nicht ganz unumstritten. Zunächst wurde dem umtriebigen Bayern für seine Arbeit bei der Treuhand viel Lob und Anerkennung gezollt. Schließlich aber geriet er wegen seiner unkonventionellen Methoden sogar ins Visier der Berliner Staatsanwälte. lüt