Regierender Bürgermeister Berlins, wie schon sein Vater, wird Edzard Reuter wohl nicht werden. Er sei „ansprechbar“ für eine konkrete Aufgabe in der Regierungsverantwortung, gestand er jetzt dem Spiegel, aber für einen Wahlkampf stehe er nicht zur Verfügung. Schließlich würde ihm die Nominierung seiner Partei, der SPD, auch nicht reichen, zuvor müßten sich Berlins Parteien schon auf „Sachaussagen“ verständigen.

Das Interesse in seiner Partei dürfte danach abgekühlt sein. Die Frage liegt nahe, ob sich in solchen Äußerungen nicht doch die Folgen eines Ressentiments gegen Parteien zeigen, das von der Parteienkritik der vergangenen Jahre – willentlich oder nicht – genährt worden ist. Es ist ja nicht per se schändlich, hinabzusteigen in die Niederungen einer Wahlauseinandersetzung.

Oft denkt man sich, Politiker seien um diese notwendige demokratische Mühsal auch wirklich nicht zu beneiden. Sollen die Parteien denn dazu herhalten, den „Besten“ den Weg zu ebnen, als Aufstiegsagenturen für überparteiliche Kandidaten, die vorher auch noch, wie in Edzard Reuters Fall, gefälligst dem Tempolimit abgeschworen haben? Oder könnten die „Besten“ sich nicht vielleicht doch häufiger hineinknien in die Parteiarbeit?

Wenn er bei der Sonntagspredigt den Eindruck habe, der Pfarrer wolle Erkenntnisse aus dem Feuilleton der Frankfurter Rundschau vermitteln, dann spüre er, daß „vielleicht noch die Köpfe, aber nicht mehr die Herzen der Gemeindemitglieder“ erreicht würden.

Und wenn das, was die Kirche sage, mit den Inhalten von Greenpeace identisch sei, fuhr Johannes Rau kürzlich fort, „dann kann ich auch gleich zu Greenpeace gehen“. Auch politische Predigten müßten sich aus dem Bibeltext und nicht aus der Meinung des Pastors ableiten.

Das ist nun schwer zu verstehen: denn unsereins, der das Feuilleton des Frankfurter Blattes oft gerne liest, möchte nicht ausschließen, daß dessen Texte mit dem Bibeltext gelegentlich gut harmonieren. Und steht denn die Arbeit von Greenpeace nicht auch hier und da mit der Bibel in schönem Einklang?

Sicher, kaum ein Pfarrer predigt so schön wie Bruder Johannes, aber ihm sagt man ja auch nicht, da könne man gleich in die Kirche gehen.

Gunter Hofmann