Auf Bundeskanzler Helmut Kohl ist Verlaß. Das weiß spätestens seit dieser Woche Quelle-Chef Klaus Mangold. Dem hatte der Regierungschef persönlich zugesagt, das Monopol der Post bei der Beförderung von Massendrucksachen zu kippen. Auf die Einlösung dieses Versprechens einigten sich jetzt Post-, Wirtschafts- und Kanzleramtsminister, obwohl der Postdienst-Chef Klaus Zumwinkel eindringlich vor der partiellen Marktöffnung gewarnt hatte. Profitieren werden davon als Kunden nämlich nur einige Großunternehmen.

Wettbewerb belebt zwar das Geschäft, aber eben nur, wenn er fair verläuft. Private Transporteure wollen indes ausschließlich lukrative Geschäftsfelder besetzen. Europas Postminister arbeiten deshalb an Regeln für den neuen Markt. Werden die künftigen Konkurrenten beispielsweise dieselben Auflagen erhalten, wie sie der Exmonopolist hat? Und wer kontrolliert eigentlich wie, ob die Neuen tatsächlich nur Drucksachen befördern?

Doch solche Details stören den Kanzler nicht weiter. Den Bürgern wird es recht sein. Bekanntlich wissen auch sie Massendrucksachen sehr zu schätzen, vor allem wenn sie in Form von Reklame die Postkästen verstopfen. lüt