DIE ZEIT

VEB Posse

Vorgestern Feuer, heute Geschrei: Rowohlt-Chef Michael Naumann und Elmar Faber, ehemals Leiter des Ostberliner Aufbau-Verlags, streiten um die Plusauflagen – heimliche Mehrdrucke lizensierter Westbücher durch DDR-Verlage.

Abgesagt

in Sieg der Vernunft – oder der Heckenschützen von Sarajevo? Die „Verschiebung“ der Papstreise in die gequälte Balkanmetropole signalisiert, wie schwer sich Unheil durch Heiliges bannen läßt.

Faustisch

Was könnte das schön sein, ein Häuschen mit Garten, und dann ab in die Karibik – ein Schiff wird kommen. Bloß die sechs Richtigen plus Superzahl fehlen noch.

In Brandenburg und Sachsen geht es nicht um Bonn: Zur Person

Die Ausnahme von der Regel: Zwar sind Landtagswahlen längst zu bloßen Testwahlen abgesunken. Doch wie immer die Wähler am Sonntag in Brandenburg und Sachsen entscheiden mögen – dieses Mal läßt sich das Ergebnis nicht schlicht auf Bonn umbuchen.

Worte der Woche

„Es gibt jetzt eine Troika. Und gestern hat der Vorsitzende, der mittlere Kanzlerkandidat, der Scharping, gesagt, jeder der drei sei besser als der Helmut Kohl.

Zeitspiegel

„Bevölkerung und Entwicklung“ steht im Titel der UN-Weltkonferenz in Kairo – politically correct. Besser wäre gewesen, die Probleme beim Namen zu nennen: Überbevölkerung und Unterentwicklung.

Im Sommer vor fünf Jahren traten die Schwächen und die Lähmung des SED-Regimes offen zutage. Der Bürgerrechtler Jens Reich erinnert sich, wie die Unzufriedenheit der Bevölkerung in der DDR wuchs und zur Gründung von Oppositionsgruppen führte (1. Folge): "Augen zu und Gas geben"

Eigentlich war die Stimmung im DDR-Sommer 1989 nicht völlig anders als in den vielen Jahren davor. Wieder reiften Krisen heran, ein gutes halbes Dutzend, und im Herbst, wenn alle aus dem Urlaub zurück sein würden, kämen sie auf die übliche, quälend ergebnislose Weise zum Austrag.

Wolfgang Ebert: Letzte Warnung

Da es aber nicht genügt, daß Scharping sich dreimal täglich von der PDS distanziert, hat die SPD-Zentrale inzwischen einen telephonischen Bereitschaftsdienst für Parteimitglieder eingerichtet, die PDS-Probleme haben.

Europa kann Ruanda helfen, doch politische Krisen lassen sich nicht von außen lösen: Aus der Tragödie lernen

BONN. – Wer die Flüchtlingslager um Goma besucht, wer die zwischen Kot, Unrat und Abfall unter Plastikplanen oder Blattdächern hausenden Menschen erlebt, wer von Augenzeugen erfährt, welche Grausamkeiten diese Menschen gesehen und erduldet haben, wer die die schiere Verzweiflung und die schwache Hoffnung in den Augen von Müttern, Kindern und Alten sieht – der bleibt, auch in nüchternen Verhandlungszimmern, zutiefst berührt und bewegt.

Bonner Bühne: Herzliche Häme

Leicht verstellt die große Wahlkampfbühne den Blick auf die vielen kleinen. Doch gerade dort spielen sich oft Dramen ab, die nicht von Pappe sind.

Haiti wartet auf die Invasion der Amerikaner: Das terrorisierte Volk hofft auf die Rückkehr des Präsidenten Aristide und der Demokratie. Das Militärregime setzt auf Voodoo und macht die Zombies mobil: Politik ist der Tod

Anflug auf Port-au-Prince. Kahle Berge, wie zusammengeknülltes Packpapier. Die Maschine ist bis zum letzten Platz ausgebucht: Nur Journalisten, Mitarbeiter humanitärer Organisationen und Haitianer aus der sogenannten Diaspora sind an Bord – mit noch mehr Übergepäck als sonst.

Seit Wochen dümpelt die Navy vor Haitis Küste: Bereit zur Invasion

Entweder räumen die Militärs auf Haiti freiwillig das Feld, oder sie werden durch Invasion dazu gezwungen. Eine dritte Möglichkeit gibt es im Rahmen des Absehbaren jetzt nicht mehr, und da General Cédras und seine Clique offenbar keine Anstalten zur Machtaufgabe treffen, bleibt nur noch die eine: Invasion.

KLAUS HARTUNG: Reuters Zumutungen

BERLIN. – „Wir wechseln den führenden Kopf aus!“ Mit diesem Slogan warb Der Tagesspiegel kürzlich für seine gnadenlose Gesichtsoperation.

Günter Rexrodt: Mit flotten Sprüchen bringt der Freidemokrat selbst Parteifreunde gegen sich auf, bei Gegenwind zieht er gern den Kopf ein – der Bundeswirtschaftsminister hat einen schweren Stand: Draufgänger auf dem Rückzug

Systemveränderer haben es schwer in Deutschland. Zu dem Schluß kam Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt gut elf Monate nach seinem Amtsantritt: „Wer in diesem Land ein Tabu angreift, wird von allen Seiten niedergemacht“, klagte der FDP-Mann im Kreise einiger Konzernchefs.

Abwrackprämie: Märchen

Über das Schlaraffenland brach einmal eine Wirtschaftskrise herein. Die Menschen hatten kein Geld mehr, sie kauften zuwenig, und die Wirtschaft lag darnieder.

Tabakindustrie: Mahnung

Rauchen tötet – und das hat seine Vorzüge. Volkswirtschaftlich betrachtet, geht die makabre Rechnung jedenfalls sauber auf: Denn wer früh mit Lungenkrebs in die Grube fährt, braucht sich später nicht kostenträchtig wegen anderer Krankheiten behandeln zu lassen.

Bonner Kulisse

Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer (FDP) kann vorerst keinen fertig ausgehandelten Vertrag mit einem Investor für die Fortführung oder den Abriß und die Neuerrichtung des Schürmann-Baus vorlegen – das hat das Bonner Ministerium nun bestätigt.

Sozialdemokraten: Mammon

Die Sozis hatten schon immer mit dem (Vor-)Urteil zu kämpfen, sie könnten nicht mit Geld umgehen. Sozialdemokratische Finanzminister oder Stadtkämmerer, so der langjährige Makel, schütteten das staatliche Füllhorn vorzugsweise über die eigenen Wähler aus.

Brüsseler Spitzen

Meine Mitarbeiter und ich", lockt Michel Carpentier, "freuen uns sehr darauf, Ihnen zu helfen, falls Sie irgendwelche Anfragen zur Tätigkeit dieser Generaldirektion haben.

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