Von Elke von Radziewsky

Eine große, aus Holzbrettern gezimmerte Tonne auf Jan Hoets documenta hat Louise Bourgeois 1992 in Europa berühmt gemacht. Drinnen stand eine Pritsche und daneben zwei Gestelle mit gläsernen Phiolen und Behältern. "Precious liquids" hieß dieses Ensemble, das den Betrachter rätseln ließ, warum die Flüssigkeiten in dieser Zelle so kostbar sein mochten. Installationen à la Bourgeois mit Anspielungen auf das libidinöse Unterbewußtsein wurden von Stund an populär, und nur ein Jahr später konnte die Streiterin eines neuen Subjektivismus auf der Biennale in Venedig den ganzen USA-Pavillon mit ihren verrätselten Übungen zum unbekannten Es eines deutlich weiblichen Über-Ichs füllen. Ein Leben lang hatte es für Louise Bourgeois keine Aufmerksamkeit gegeben. Nun stürzte sich Gott und die Welt auf die Dame von 82 Jahren.