Die stärker als erwartet steigenden Verbraucherpreise in den Vereinigten Staaten haben dort die Inflationsängste wieder geschürt. Auch in Großbritannien wurde vorsorglich die Zinsbremse angezogen. Trotz des rückläufigen Geldmengenwachstums und sinkender Inflationsrate sind auch auf dem deutschen Rentenmarkt die Zinsen weiter gestiegen. Die durchschnittliche Umlaufrendite öffentlicher Anleihen, die zur Jahreswende noch bei 5,41 Prozent lag, stieg in dieser Woche auf 7,35 Prozent, den bisher höchsten Stand in diesem Jahr. Die Rendite fünfzehn- bis dreißigjähriger Anleihen erreichte glatte acht Prozent.

Kein Wunder also, wenn die deutschen Aktien in dieser Woche unter Druck gerieten. Allerdings blieben die Umsätze gering. Von Angstverkäufen kann weder bei den institutionellen Anlegern noch bei den Ausländern oder bei der privaten Bankenkundschaft die Rede sein. Als Verkäufer werden in der Hauptsache Berufshändler geortet, bei denen die Bundestagswahl am 16. Oktober eine wachsende Rolle spielt. Nach dem schlechten Abschneiden der FDP in Brandenburg und Sachsen scheint deren Ausgang wieder völlig offen.

Sinnvolle Anlagestrategien sind in dieser Situation nicht auszumachen. Selbst von einer Branchenrotation, die in den vergangenen Wochen gelegentlich den Aktienhandel bestimmte, ist nicht mehr die Rede. Unter diesen Umständen wird die Kapitalerhöhung der Lufthansa im Verhältnis 4:1 zum Ausgabepreis für die jungen Stammaktien von 160 Mark bei den Investoren gewiß nicht auf allzu großes Interesse stoßen. Um den Betrag von 1,2 Milliarden am Markt zu mobilisieren, bedarf es erheblicher Anstrengungen. Dazu gehört offenbar auch eine gezielte Kurspflege, um den Kurs der Altaktien nicht in allzu große Nähe des Bezugspreises für die jungen Aktien fallen zu lassen.

Noch vor der Bundestagswahl wird überdies die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank ihre seit langem angekündigte Kapitalerhöhung (10:1 zu 350 Mark) durchführen. Im Juni hatte sie ihre Kapitalpläne wegen der damals labilen Börsensituation verschoben.

Als relativ stabil erwiesen sich bisher die Bauaktien. Da sich in den alten Bundesländern die Bautätigkeit ebenfalls besser als erwartet entwickelt, gab es in diesem Bereich vorsichtiges Kaufinteresse, besonders für Bilfinger + Berger. Bei Holzmann sind die Börsianer wegen der für Oktober projektierten Kapitalerhöhung (8:3) vorsichtiger, zumal nicht sicher ist, ob die Deutsche Bank als Großaktionär mitmachen wird. K. W.