MÜNCHEN - Was wäre München ohne seine Originale? Man stelle sich die Stadt nur ohne Karl Valentin oder Rudolph Moshammer vor. Doch was haben die beiden miteinander gemein? Der eine spindeldürr, längst tot und zeitlebens eher ein armer Schlucker. Der andere nicht eben dünn, dafür quicklebendig und ziemlich wohlhabend. Doch es gibt zumindest eine Gemeinsamkeit: eine inzwischen heruntergekommene Bruchbude im Münchner Stadtteil Au "Am 4. Juni 1882 wurde in diesem Hause Karl Valentin, Münchens großer Volkssänger, geboren", steht auf einer Bronzetafel an dem zweistöckigen Altbau. Obwohl die baufällige Ruine seit 1987 in Stadtbesitz ist, hat sich wegen beständiger Ebbe in der kommunalen Kasse nichts geändert: Das Valentin Haus bröselt und bröckelt vor sich hin, die letzten Mieter sind schon längst ausgezogen "So darf das nicht weitergehen", hat sich Valentin Fan Rudolph Moshammer gesagt: Im Sommer kaufte er der Stadt für 800 000 Mark Haus und zugehörigen Hof ab, um "was draus zu machen". Ein Kommunikationszentrum für junge Menschen soll nach Moshammers Plänen hier entstehen. Mit einer Laienbühne, auf der Volkstheater und Kleinkunst im Valentinschen Sinn aufgeführt werden sollen, mit einer Videothek aller ValentinSlapsticks und - typisch Moshammer! - mit Entwurfsateliers für die Münchner Modeschule. Allein zwei Millionen Mark würde einem Gutachten zufolge die Rettung der Bausubstanz verschlingen, mit insgesamt zehn Millionen rechnet Moshammer für alle Umbauten. Da ist beispielsweise der Auer Mühlbach, der unter dem Innenhof durchfließt und den Moshammer gern wieder freilegen lassen würde. Zusammen mit einer Glaspyramide als Wintergarten ein schickes Ambiente für ein Cafe "Nichts Hochgestochenes" schwebt Moshammer vor, "sondern etwas, wo die Jugend sich wohlfühlen kann und wo es günstiges Essen gibt Doch die Gastronomie könnte zum Knackpunkt des gesamten Unternehmens werden. Moshammer besteht darauf, "denn irgendwie muß sich das alles ja auch rechnen".

Der Auer Bezirksausschuß, der die Interessen der Anwohner vertritt, ist von Moshammers Konzept jedoch gar nicht begeistert. Er befürchtet zusätzliche Verkehrs- und Lärmbelästigung des Viertels, das bereits durch Gasteig Kulturzentrum, diverse Kinos und Kneipen sowie durch das benachbarte Deutsche Museum stark strapaziert wird "Wenn aber nichts geschieht, fällt die Bude demnächst zusammen", meint Barbara Linner, die Sprecherin des Münchner Kommunalreferats. Daß der exzentrische Münchner Modekönig der richtige Mann für die Sache sein könnte, hat er schon an anderer Stelle bewiesen, als er Münchens ältestes Wirtshaus, die "Hundskugel", kaufte, sanierte und mit bayerischer Kost zum Erfolg führte. Bleibt also nur zu hoffen, daß die Geschichte von Valentins Geburtshaus nicht selbst zum Stoff einer Valentinade wird. Heiner Über