DIE ZEIT

Wie eh und je

Politiker mäkeln oft an den Medien herum, die ihnen nicht genug nach dem Munde reden. Aber wenn Italiens Regierungschef Berlusconi, der selbst ein alter Fuchs des Privatfernsehgewerbes ist, nun durch Dekret handstreichartig „seine“ Leute an die Spitze der öffentlich-rechtlichen Radio Televisione Italiana (RAI) befördert, dann bedarf es keiner Hysterie, um eine Zeit der Sprachregelungen, ja Maulkörbe anbrechen zu sehen.

Weiser Spruch

Der schlichte, aufs Auto geklebte Satz: Soldaten sind Mörder“ ist eine üble Provokation. Zwei Gerichte haben ihn als „Volksverhetzung“ gewertet.

Worte der Woche

„Das totale Fehlen jeder Konsultation oder auch nur Information durch die Regierung der Vereinigten Staaten macht mich glauben, daß dieses Land entschieden hat, im haitianischen Prozeß allein zu handeln.

Wohltäter der Weltpolitik

Wie er so dastand im Ostsaal des Weißen Hauses, die amerikanische Presse vor und Präsident Clinton neben sich, muß selbst der uneitle Jimmy Carter Genugtuung empfunden haben.

Ein Gandhi ist er nicht

Dem kompromißlosen schwarzen Bürgerrechtler Randall Robinson, der Präsident Clinton mit einem Hungerstreik in die Konfrontation mit der Cédras-Clique gedrängt hatte, kam ein Vergleich in den Sinn: „Als ob der Zweite Weltkrieg damit beendet worden wäre, den Nazi-Kriegsverbrechern zu sagen, sie sollten bleiben und nach einer Amnestie behalten, was sie haben, und versuchen, mit den Deutschen die Demokratie wiederherzustellen.

Zeitspiegel

Haben sächsische Frauen CDU gewählt, gar wegen Kurt Biedenkopf? Vielleicht tut ihnen das nun leid – zu spät. Vor über 400 Frauen, die sich am vergangenen Samstag in Chemnitz versammelt hatten, dozierte der Ministerpräsident auf dem Podium: „Im Augenblick kann Frauenpolitik nur mit Erfolg, gemacht werden, wenn Männer sie machen.

Europa streitet weiter über die Thesen der CDU/CSU-Fraktion. Sie haben schon vorhandene Risse in der Gemeinschaft noch vertieft: D-Mark für alle?

Entrüstung in Rom, Madrid und Kopenhagen, Zurückhaltung in Paris, Ablehnung in London, Distanzierung in Bonn: Die Anfang September veröffentlichten "Überlegungen zur europäischen Politik" der CDU/CSU-Fraktion haben, wie zu erwarten war, kaum zur Klärung des künftigen Gleichgewichts zwischen der Vertiefung der Europäischen Union im Westen und ihrer Erweiterung in Richtung Osten beigetragen.

Historische Postkarte

Port-au-Prince, 6. Dezember 1897, 8 Uhr. Konteradmiral Thiele, Befehlshaber der deutschen Schulschiffe Charlotte und Stein, übergibt dem Hafenkommandanten ein Ultimatum.

Bonner Bühne: Alte und neue Lasten

Die Vergangenheit mit ihren Altlasten reicht in die Gegenwart, wenngleich nicht ganz so wie erwartet. Aus Parteiarchiven von drüben fördert der Spiegel nun Belege zutage, aus denen hervorgeht: Auch die Union war im deutsch-deutschen Alltag nicht zimperlich, wenn es darum ging, politisch voranzukommen.

Hilfe, Polizei!

Aufgerissene Augen, fröstelnde Körper, nervöse Gestalten auf der Suche nach Stoff. Flinke Hände berühren sich flüchtig. Vor den Hauseingängen Mädchen, dämmernd, die Lider schwer.

Wettbewerb: Gefällig

Davon hat man im Berliner Kartellamt wohl immer geträumt: Lob von der Industrie. Eigentlich ein Unding, denn wer Unternehmern mit Fleiß auf die Füße tritt, darf nicht mit Streicheleinheiten rechnen.

Die Eurowährung kommt, die Bürger sind dagegen: Der Streit fehlt

Es ist beunruhigend, wie tief die Kluft zwischen den Erwartungen der Wähler und den Vorstellungen der Gewählten ist. Nach wie vor konnte sich eine übergroße Mehrheit der Deutschen bisher nicht an den Gedanken gewöhnen, daß sie in wenigen Jahren, wenn die Europäische Währungsunion ihre dritte Stufe erreicht, zugunsten einer gemeinsamen Währung in Europa auf die Deutsche Mark verzichten soll; vertraut man jüngsten Meinungsumfragen, glaubt nur gut jeder dritte Bundesbürger, daß bis zum Ende des Jahrzehnts zumindest in einigen Ländern Europas die nationalen Währungen durch eine Gemeinschaftswährung abgelöst werden.

Bonner Kulisse

Noch ehe die Bundestagswahl 1994 überhaupt gelaufen ist, steht eines schon fest: Ein Viertel aller Abgeordneten kehrt nicht wieder ins Parlament zurück.

Rabattgesetz: Einfältig

Auf die Bonner Politiker ist wirklich kein Verlaß. Im Frühjahr wecken sie die Hoffnung, man könne bei Edeka und Karstadt bald munter um die Preise, von Kräuterkäse und Kaschmir-Pullis feilschen.

Buß- und Bettag: Fällig

Hier weht einem schon der Hauch der Geschichte ins Gesicht, wenn man künftig am Buß- und Bettag ins Büro oder an die Werkstatt eilt.

Markt-Report: Stark depressiv

Die Konjunktur in Deutschland entwickelt sich besser, als prognostiziert worden war. Die Stimmung in den Börsensälen ist dagegen auf den Nullpunkt gesunken.

Emissionen: Die Fielmann-Aktie hatte einen guten Start – doch viele junge Papiere erwiesen sich als Flops: Schöne Optik gehört zum Geschäft

Der Name Fielmann, für Brillenträger längst ein Begriff, hat seit dem 15. September auch bei Börsianern einen guten Klang. Die erste Kursnotierung der neuen Aktie – das erste Papier an der deutschen Börse mit einem Nennwert von fünf Mark – lag mit glatten 50 Mark um mehr als zwölf Prozent über dem Ausgabepreis von 44,50 Mark.

Manager und Märkte

Stern: Konkurrenz aus dem eigenen Haus Telekom: Schlechtes Vorbild in Amerika Virgin Airways: Mit Landrover auf Kundenfang

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