Von Christoph Drösser

Das Internet, das große, weltumspannende Computernetz mit dreißig Millionen Benutzern..." – so wird das Internet gern erklärt. Auch in Deutschland finden immer mehr Menschen Zugang zu diesem Kreis global vernetzter User.

Eventuell aber ist der Club wesentlich exklusiver als angenommen: Vielleicht sind es statt dreißig nur drei Millionen Menschen, die das Internet benutzen. Das jedenfalls behauptet der texanische Experte John Quarterman, und ein Artikel darüber in der New York Times sorgt für anhaltenden Aufruhr im Cyberspace.

Das Internet darf man sich nicht vorstellen wie ein Telephonnetz. Es ist über 25 Jahre anarchisch gewachsen, ein Netz von Computernetzen, die alle für sich autonom sind. Wenn eine neue "Domain", etwa ein größerer Konzern, sich anschließt, dann erfährt niemand, wie viele neue Benutzer damit erreichbar sind – es gibt kein "Internet-Telephonbuch", keine zentrale. Verwaltung.

Das einzig verläßliche Maß in dieser Hinsicht ist die Zahl der "Hosts" – der Computer, die über eine Internet-Adresse verfügen. Im Juli dieses Jahres waren das 3,2 Millionen Rechner, und jährlich wächst die Zahl um etwa achtzig Prozent. Bisherige Schätzungen gingen davon aus, daß jeder Host Heimat für zehn Benutzer ist – teils aufgrund von Erfahrungswerten, teils weil sich mit zehn so leicht multiplizieren läßt.

Aber zwischen Host und Host gibt es gewaltige Unterschiede: Hinter der Adresse "aol.com" des kommerziellen Anbieters America Online stecken etwa eine Million Teilnehmer, während andere Internet-Adressen einem Heimcomputer gehören, an dem ein einziger Benutzer seine elektronische Post erledigt. Es gibt an amerikanischen Universitäten sogar Cola-Automaten mit Internet-Adresse, deren Füllstand sich übers Netz abrufen läßt – kein User im strengen Sinn.

Manche Systeme sind außerdem durch elektronische Brandmauern ("firewalls") vor Eindringlingen geschützt, insbesondere Firmennetze. Solche könne man, so Quarterman, nicht zum Internet zählen.