Schon im ersten Semester geht er, unfaßbar dick und knallig orange, am Horizont eines jeden Biologiestudenten auf. Er naht auf leisen Sohlen im Gleichschritt mit den bedrohlichen Worten der Dozenten: „Das ist der Lehrstoff des Vordiploms.“ Nicht umsonst wird er, der „Strasburger“, auch Streßburger genannt.

Ziemlich schwach fühlt sich da der angehende Botaniker. Wie soll er das nur alles lernen, da er das Buch noch nicht mal einhändig hochheben kann. Auch der Gedanke an das Portemonnaie läßt die Knie erweichen: Billig ist der Wälzer nicht gerade. Was bleibt, ist der Blick ans Schwarze Brett, ob jemand anderes sein gebrauchtes Exemplar verhökern möchte. Aber: Fehlanzeige, wer den „Strasburger“ mal hat, der gibt ihn auch nicht wieder her.

Jetzt feiert das Lehrbuch der Botanik, das noch immer nach seinem ersten Herausgeber benannt ist, seinen 100. Geburtstag. Ein Anlaß zum Jubeln für alle Biologen, die ihn hinter sich gelassen haben und nur noch als Nachschlagewerk benutzen. Aber sicher auch ein Anlaß zum Jubeln für den Gustav Fischer Verlag, der mit dem „Strasburger“ ein ausgesprochen erfolgreiches Standardlehrbuch für Botanik herausgibt.

1894 erschien die erste Auflage des Werkes. Sie enthält 558 Druckseiten und 577 Zeichnungen. Der Bonner Ordinarius für Botanik Eduard Strasburger hat sie gemeinsam mit seinen Kollegen Wilhelm Schimper, Fritz Noll und Heinrich Schenk verfaßt. An dem Konzept eines „Vier-Männer-Buches“ hat sich seitdem nichts geändert: 33 Auflagen und 400 000 Exemplare später zeichnen der Freiburger Morphologe Peter Sitte, der Münchner Physiologe Hubert Ziegler, der Regensburger Experte für niedere Pflanzen Andreas Bresinsky und der Wiener Genetiker und Experte für Geobotanik und höhere Pflanzen Friedrich Ehrendorfer als Autoren.

Das Werk ist mittlerweile 1030 Seiten lang, kostet 124 Mark und wird wohl auch weitere Studentengenerationen stressen. Wahrscheinlich werden aber auch diese Generationen im nachhinein froh sein, sich durch den „Strasburger“ gekämpft zu haben. Spo