• Der Otto Versand und seine CD-ROM

Versandhäuser mögen manchen ein Rätsel sein. Ohne das Glitzern der Schaufenster und ohne den Kontakt der Haut mit dem Stoff, aus dem die Modeträume sind, entkommt man aber immerhin dem akuten Kaufrausch.

Weil sich hierzulande schon so viele Leute daran gewöhnt haben, hat sich der Otto Versand in Hamburg auf die Suche nach weiteren Kunden gemacht – und hat sie wohl auch gefunden: Sie sitzen vor dem heimischen Personalcomputer.

Der Otto-Katalog auf CD-ROM startete Mitte August als Versuch. Die Datenscheibe enthält 520 der 1300 Seiten des herkömmlichen gedruckten Werks, zurechtgeschnitten auf die angepeilten Kunden. Sie spielt animierende Musik wie in einem echten Kaufhaus, eine Werbestimme erklärt, wie toll und einfach das Bestellen mit der intelligenten Disc abläuft, und am Eintritt zu den Warengruppen stehen die multimedialen Höhepunkte des Werks, digitale Videos: ein Phototermin für Bademoden am Strand, der Start einer Rakete – nichts Belastendes, um neue Kunden mit ihrem Rechner und mit Otto gleichermaßen zufrieden sein zu lassen.

Der Rest des Werks wirft die Kunden auf umständliches Blättern in den elektronischen bunten Seiten zurück, aber wer im Bestellwust stets gezielt sucht, wird von der Produkt-Datenbank angetan sein.

"Sehr überrascht" war der Otto Versand nach Aussage des Chefentwicklers Bert Hölscher über die Resonanz. Die CD-ROM-Kunden liefern derzeit pro Woche rund tausend elektronische Bestellzettel im Otto-Zentralrechner ab.

Die Scheibe wurde in einer leicht veränderten Fassung bereits einmal nachgepreßt; insgesamt beträgt die Auflage nun 75 000 Stück. Daher soll sie nun halbjährlich als Alternative zum papiernen Katalog angeboten werden.