Von Christoph Bertram

Zagreb

Yasushi Akashi ist ein ruhiger, selbstbewußter Mann. Seit Januar ist der 63jährige Japaner der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs im früheren Jugoslawien. Ein Ende des Krieges ist nicht abzusehen. Aber von Resignation will er nichts wissen: "Ich weigere mich, Pessimist zu sein. Ich habe bisher nicht aufgegeben, und ich will auch künftig nicht aufgeben."

Akashi ist nicht nur bei den Kriegsparteien, sondern auch in den Hauptstädten des Westens umstritten. Das ficht ihn wenig an. Seit 1957 dient er, unterbrochen nur von einer kurzen Phase in der UN-Vertretung seines Landes, den Vereinten Nationen; zuletzt koordinierte er geduldig die erfolgreiche Blauhelm-Mission in Kambodscha. Auch für die Rolle der Uno auf dem Balkan wirbt er um Geduld. Bevor er den Besucher zu einer einwöchigen Reise bei UN-Einheiten in Kroatien, in Bosnien und Makedonien verabschiedet, sagt er: "Mittel- und langfristig wird sich erweisen, daß wir hier gute Arbeit leisten. Bewerten Sie uns bitte nicht nach kurzfristigen Maßstäben!"

In der Tat, wer wegsehen kann, wie Sarajevo und die Muslimen-Enklaven im Osten Bosniens langsam im Würgegriff der Serben ersticken, wie die Unprofor-Soldaten gedemütigt und wie noch immer Muslime aus dem serbisch kontrollierten Teil Bosniens brutal vertrieben werden (in den vergangenen drei Monaten rund 10 000) – wer also die hilflose Uno ausklammert, der ist von der hilfreichen Uno beeindruckt. Es ist die Uno, die tätig wird, wo niemand schießt, die den "Frieden" erhält, ihn aber nicht mit Gewalt schafft: Das ist die Uno des Yasushi Akashi.

In Makedonien, der südlichsten Republik des einstigen Jugoslawien, wird nicht geschossen. Rund 1200 Blauhelm-Soldaten waren 1993 dort hingeschickt worden, um ein Überschwappen des Konfliktes von Serbien aus zu verhindern, darunter auch die einzigen US-Truppen auf dem Balkan: ganze 542 Mann. Die Vereinten Nationen sind stolz auf ihr Engagement: Hier demonstrieren sie zum ersten Mal "vorbeugende Krisenverhinderung". Ob es an den Blauhelmen liegt, daß Makedonien bisher weder von außen angegriffen, noch durch innere ethnische Spannungen zerrissen wurde?

Prekär bleibt die Lage dieses Landes ohne Zugang zum Meer schon wegen der wirtschaftlichen Drangsalierung: Nach Serbien und Montenegro hin ist der Handel wegen der UN-Sanktion gegen Belgrad offiziell verboten, nach Süden hin hat Griechenland die Grenzen verriegelt. Durch die Fernrohre eines Beobachtungspostens der Uno bei Skopje läßt sich erkennen, wie sich die Makedonier dennoch zu helfen versuchen: Lange Lastwagenkolonnen passieren die Zollstationen nach Serbien. "Sanktionen gibt es hier nicht", sagt ungerührt ein junger norwegischer Gefreiter. Die jungen Soldaten sehen es nicht einmal ungern; wie anders denn als durch Sanktionsschmuggel soll das Zweimillionenland mit einer Arbeitslosenrate von fünfzig Prozent überleben, solange Griechenland mit seinen Schikanen fortfährt? Eine beruhigende Wirkung hat die militärische Präsenz allemal. Aber "Erfolg wird diese Mission nur haben, wenn sie auch erfolgreich endet", weiß Akashis Beauftragter in Skopje, der Brite Hugo Anson. Wann aber wird das sein?