Wegen ihrer Beziehungen zu dem amerikanischen Staatsbürger Noel Field wurden in den Jahren 1949 bis 1952 in den Staaten des Ostblocks auf Befehl Stalins viele Kommunisten, die verdächtig waren, einen eigenen Weg zum Sozialismus einzuschlagen, aus der Partei ausgeschlossen und grausam verfolgt. Bei den Schauprozessen in Ungarn, Bulgarien und der Tschechoslowakei hatten die durch Folter und Täuschung genötigten Angeklagten sich selber der Spionage für den amerikanischen Geheimdienst zu bezichtigen. Als Drahtzieher mußte überall der Amerikaner herhalten, der – so behauptete das ZK der SED 1950 – unmittelbarer Mitarbeiter des CIA-Chefs Allan Dulles gewesen sei. Als „Oberagent“ unter der Maske eines „barmherzigen Samariters“, eines „wohltätigen Biedermannes und Freundes der Arbeiterklasse“, „der über beträchtliche Geldmittel verfügt“, habe er schon lange vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges kommunistische Emigranten für den Geheimdienst angeworben.

Wer war dieser geheimnisumwitterte Mann, von dem es kaum Photos gibt und der in der Literatur nicht nur als amerikanischer, sondern zuweilen auch als sowjetischer Spion bezeichnet wird? Noel Havilland Field, Jahrgang 1904, stammte aus einer Quäkerfamilie, wuchs in der Schweiz auf, studierte in Harvard und wurde Beamter des State Department. Er nahm noch 1935 an einer Abrüstungskonferenz teil, gab dann jedoch, nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, seinen Diplomatenberuf auf. Als Vertreter des Völkerbunds holt er ausländische Freiwillige, die mit den Republikanern gegen die Faschisten gekämpft hatten, aus Spanien heraus. Ein Jahr später rettet er in der von den Deutschen besetzten Tschechischen Republik Tausenden das Leben.

Nach der Kapitulation Frankreichs kümmert er sich, nunmehr im Auftrag eines Hilfswerks der Unitarier (USC) und mit kräftiger finanzieller Unterstützung der amerikanischen Regierung, um Zehntausende von Flüchtlingen, die im unbesetzten Vichy-Frankreich in Lagern hausen. 1942 flieht er vor den Deutschen in die Schweiz, wo er seine segensreiche Arbeit für die Opfer des nationalsozialistischen Terrors fortsetzt. Hier arbeitete er auch mit Allan Dulles, damals Vertreter des amerikanischen Geheimdienstes OSS, zusammen. Für die Gegner des Naziregimes war solche Kooperation selbstverständlich. Seit dem Sommer 1944 leitet Noel Field, dem seine deutsche Frau Herta zur Seite steht, als Direktor das europäische USC-Programm, das unzähligen Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimatländer ermöglicht. Sein Freund François Bondy beschreibt ihn als den typisch protestantischen angelsächsischen Amerikaner, „aktiv, missionarisch, humorvoll und von einer stillen, nicht aufdringlichen, aber auch nicht erschütterbaren Überzeugtheit“.

Field verschrieb sich schon in Spanien dem Kommunismus. Mit vielen Emigranten war er befreundet, und er besuchte sie auch im Ostblock. Eben deswegen wurde er für Stalin und das NKWD zum idealen Werkzeug. Man lockte ihn und seine Frau 1949 von Genf nach Prag, wo sie verhaftet und dann an Ungarn ausgeliefert wurden. (Auch Bruder Hermann und Adoptivtochter Erika Glaser-Wallach verschwanden hinter dem Eisernen Vorhang.) Sie wurden gefoltert und für fünf Jahre in Dunkelzellen eingesperrt. 1954 kamen beide auf freien Fuß. „Es war ein kleiner Irrtum“, entschuldigte sich die Geheimpolizei. Die Fields blieben in Budapest; nichts zog sie zurück in ein Amerika, wo McCarthy zur Hexenjagd auf Linke blies. kj