HANNOVER/OLDENBURG. – Der „Hühnerbaron“ darf keine Hühner mehr halten. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat Anton Pohlmann mit einem Tierhaltungsverbot belegt. Der Grund: Der Geflügelzüchter aus Südoldenburg hat Ende Juni rund 200 000 Legehennen qualvoll verenden lassen. Um die von Salmonellen befallenen Tiere zu töten, ließ Pohlmann einfach Lüftung, Tränken und Futtereinrichtungen abschalten.

Daß der Landwirtschaftsminister die „rote Karte“ zieht, ist gleichwohl ungewöhnlich. Schließlich handelt es sich bei Pohlmann nicht um einen x-beliebigen Hühnerzüchter, sondern um den vermutlich größten Eierproduzenten Europas. Allein in Niedersachsen gackern etwa 5,8 Millionen Legehennen in insgesamt neunzehn Pohlmann-Ställen. Bundesweit wird sein Bestand auf sieben Millionen Tiere geschätzt. Rund achtzehn Prozent aller bundesdeutschen Eier stammen danach von Pohlmann-Hühnern. Und auch in den USA arbeiten riesige Legebatterien für den Niedersachsen.

Der Aufstieg des gelernten Bäckers zum Herrn der Hühner war immer schon begleitet von Skandalen. Bereits 1982 mußte Pohlmann nach Angaben des Tierschutzbundes eine Geldstrafe von 466 000 Mark zahlen, weil er Frischedaten und Güteklassen seiner Eier gefälscht hatte. Weitere Straf- und Bußgeldbefehle folgten – nicht genehmigte Ställe, Ausbringung von Hühnergülle im Wasserschutzgebiet, zu hohe Besatzdichte ...

Ein Richter bezeichnete die Vielzahl der Verstöße einst als „ungewöhnlich und hartnäckig“. Ob dieses lange Sündenregister allerdings ein Tierhaltungsverbot mitbegründet, ist umstritten.

Entscheidender aber ist die Frage, was sich nun ändert. „Pohlmann erhält eine Art Berufsverbot“, meinte der Landwirtschaftsminister. „Er kann in Zukunft nicht mehr in seinen Betrieb hineinregieren.“ Ob es dazu aber tatsächlich kommt, ob es den Käfighühnern künftig besser geht, ist zweifelhaft. Wie erwartet, ist der „Hühnerbaron“ bereits vors Verwaltungsgericht gezogen, um die „rote Karte“ anzufechten. Aber auch wenn er unterliegt, ist er längst noch nicht am Ende. Denn der Pohlmann-Konzern, der ein integriertes System von der Kükenaufzucht bis zur Flüssigei-Verarbeitung umfaßt, ist so verschachtelt, daß die Verantwortlichkeit des Konzernherrn in den einzelnen Unternehmen verwischt ist. „Ätsch“ war denn auch der Tenor der ersten Stellungnahme der Pohlmann Nellinghof GmbH & Co. KG zum Tierhaltungsverbot. Der „Geschäftsbetrieb“ der Firma Goldhuhn-Eierhof GmbH & Co. KG sei gar nicht von der Anordnung betroffen, „weil Herr Anton Pohlmann bereits seit einigen Jahren aus der Geschäftsführung der Firma ausgeschieden ist“. Db gegenwärtigen Chefs des Eierhofs hätten eine saubere Weste. „Über sie sind weder Strafen noch Bußgelder verhängt worden.“ Doch die Behörden lassen sich davon nicht beeindrucken. Der Landkreis Vechta denkt nun sogar an ein Gewerbeverbot. Es droht dem Sohn des „Hühnerbarons“. Denn Christoph Pohlmann ist formell Geschäftsführer jener Hühnerfarm, in der sich Ende Juni der Massenexitus ereignete. Gegen ihn wurde jetzt wegen des „Verdachts der Unzuverlässigkeit des Gewerbetreibenden“ ein Untersuchungsverfahren eingeleitet. Dem Vater, verlautet aus dem Landwirtschaftsministerium, stehe möglicherweise ähnliches bevor.

Wenn die Auswirkungen solcher Tierhaltungs- und Gewerbeverbote möglicherweise auch noch lange auf sich warten lassen, das Image des Eier-Riesen ist schon jetzt schwer angeschlagen. Selbst der Geflügelzüchterverband hat sich von den Machenschaften Pohlmanns distanziert. Am härtesten aber dürfte es den Unternehmer getroffen haben, daß Aldi einem Boykottaufruf des Deutschen Tierschutzbundes gefolgt ist und seine Goldhuhn-Eier aus den Regalen verbannt hat.

Daß Aldi nun plötzlich sein Herz für Tiere entdeckt, entbehrt indessen auch nicht der Ironie. Schließlich war es unter anderem der Preisdruck dieses Billiganbieters, der die industrielle Eierproduktion vorangetrieben hat, die auch ohne grausame Massentötungen ein Verbrechen an der Kreatur darstellt. Für Hühner, die in engen Käfigen eingepfercht sind, ist nicht nur das Sterben, sondern auch das Leben eine einzige Qual.