Während die meisten Berliner am vergangenen Wochenende vollauf damit beschäftigt waren, die deutsche Einheit zu feiern, trafen sich am 1. Oktober im nahe gelegenen Straußberg einige Dutzend ostdeutsche Unternehmer zur Gründung einer Mittelstandsvereinigung. Das Besondere an der Versammlung östlicher Kleinkapitalisten ist weniger die Bereitschaftserklärung, ihre „wirtschaftliche, soziale und ökologische Aufgabe bei der Gestaltung der deutschen Einheit wahrzunehmen“, als vielmehr ihr politischer Bündnispartner. Die „gesellschaftlich interessierten Unternehmer und Selbständigen aller Bereiche und Branchen“ lehnen sich nämlich mehr oder weniger offen an die PDS an, weil sie von ihr anscheinend den größten Beistand im Kampf gegen ihre wirtschaftlichen Nöte erwarten.

Der Mann, der maßgeblich an der Vorbereitung des Unternehmerverbandes beteiligt war, heißt Helmuth Markov und ist PDS-Landesvorsitzender in Brandenburg. Der 42jährige Diplomingenieur gehört zu den Wirtschaftsexperten seiner Partei und überdies genau zu jener Klientel, welche die zunächst nur für Berlin-Brandenburg gegründete Mittelstandsvereinigung ansprechen will. Markov ist selbst einer von zwei Geschäftsführern einer kleinen Firma für vakuummetallurgische Spezialausrüstungen in Hennigsdorf. In die Eltese GmbH war der gelernte Buchhändler und Absolvent eines Polytechnischen Instituts im ukrainischen Kiew 1990 mit eingestiegen, nachdem er als Leiter der Entwicklungsabteilung im volkseigenen Lokomotivenwerk Hennigsdorf gekündigt hatte.

Heute läuft das Acht-Mann-Unternehmen so gut, daß es ohne Bankkredite überleben kann – und nebenher noch als positives Beispiel für ein demokratisches Betriebsmanagement dient, wie Markov sagt. Mitarbeiterbeteiligung und Mitspracherechte seien verwirklicht. Durch solche Praxismodelle könnten sich nach Ansicht des langjährigen SED-Genossen die PDS-sympathisierenden Unternehmer von ihren Konkurrenten unterscheiden. Ehemalige SED-Leute als Unternehmer und Vorbilder in der sozialen Marktwirtschaft, das wäre in der Tat eine bemerkenswerte Metamorphose.

Wie die neu verbündeten Ostmittelständler jedoch zugeben, wollen sie hauptsächlich ihre Chancen gegenüber Westkonkurrenten erhöhen, zum Beispiel wenn es um die Vergabe öffentlicher Aufträge geht. Um auf gravierende Probleme der Ostbetriebe, wie zum Beispiel die mangelnde Eigenkapitalausstattung, aufmerksam zu machen, soll „aktiv auf die Politik“ eingewirkt werden. Nicht nur strenge Antikapitalisten in der PDS dürften sich da sorgen, daß die Partei ihr Image als Vertreter der sozial Schwachen aufs Spiel setzt. Markov, der sich lediglich als „Geburtshelfer und nicht als Erzeuger“ der Vereinigung sieht, ficht das nicht an: „Letztlich muß eine Gesellschaft erst erwirtschaften, was sie umverteilt. Der Verband soll Sachprobleme lösen und keine ideologischen Debatten führen.“ G. L.