Seit Jahren stagniert der deutsche Biermarkt, und seit Jahren zeigt eine Privatbrauerei aus dem Sauerland, daß man auch gegen den Trend kräftig wachsen kann. Die Warsteiner Brauerei entwickelte sich mit zweistelligen Zuwachsraten zur größten Biermarke in Deutschland. Da konnten andere nur neidvoll zuschauen.

Doch in einer Region zeigt die Absatzkurve neuerdings nach unten: In Deutschlands Norden läuft immer weniger Warsteiner aus dem Zapfhahn. Der Grund ist für die Sauerländer offenkundig: Die Gerüchte wollen nicht verstummen, nach denen das Familienunternehmen von der Scientology Church unterwandert und Firmenchef Albert Cramer gar Mitglied der umstrittenen Sekte sei. Seit Januar mehren sich deshalb Anrufe von besorgten Wirten aus Hamburg und Umgebung. Weil die "Diskussionen an der Theke nicht mehr verstummen wollten", schrieb Warsteiner einen Brief an seine Kunden. Als "so ziemlich das Dümmste, was mir seit langem zu Ohren gekommen ist", bezeichnete Alleininhaber Cramer Gerüchte, daß sich Scientologen Anteile des Familienunternehmens gekauft hätten.

Doch das Dementi des Firmenchefs konnte das Gerede nicht stoppen. In seiner Not greift Cramer jetzt zu einem ungewöhnlichen Mittel. Kommende Woche werden die Sauerländer in allen norddeutschen Tageszeitungen Anzeigen schalten, in denen sie unter dem Motto "Rufmörder gesucht" die Kneipengänger per Antwortcoupon um Mithilfe bei der Fahndung nach den Urhebern der "geschäftsschädigenden Fehlinformation" bitten.

Gerichtsnotorisch ist es, daß die FDP sich mit ihren Parteifinanzen mitunter in der Grauzone bewegt – spätestens seit der Verurteilung von Otto Graf Lambsdorff wegen Steuerhinterziehung. Die Story, die der stern in dieser Woche publik machte, dürfte der Partei dennoch zu schaffen machen. Die Freidemokraten, behauptet das Blatt, sollen von der inzwischen in Konkurs gegangenen Münchner Rüstungsfirma Telemit unterstützt worden sein, die seit 1976 im Besitz des libyschen Staatschefs Muammar al-Ghaddafi war. Mehrere Millionen Mark seien über den 1981 ermordeten früheren Schatzmeister der Partei, Heinz Herbert Karry, auf Schweizer FDP-Konten geflossen. Im Gegenzug habe Telemit vom Auswärtigen Amt vielfach grünes Licht für Rüstungsexporte in die arabische Welt bekommen, unter anderem nach Libyen, Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien und in den Irak und den Iran. Mitwisser des Geschäfts sollen Außenminister Klaus Kinkel in seiner Eigenschaft als früherer BND-Chef und Hans-Dietrich Genscher gewesen sein.

FDP-Sprecher Hans-Rolf Goebel wies den Bericht am Dienstag als "orientalisches Märchen" zurück. Alles sei frei erfunden, so auch die Behauptung, Genscher sei ein Freund des früheren Telemit-Geschäftsführers Wolfgang Knabe gewesen, der die Geschäfte eingefädelt und auch eine Zusage Ghaddafis vermittelt haben soll, daß Deutschland von libyschen Terroranschlägen verschont bleibe. Doch die vom stern um Stellungnahmen gebetenen Genscher und Kinkel haben diese Gelegenheit zur Klarstellung nicht wahrgenommen. Pech für den stern ist allerdings, daß die Hauptzeugen der angeblichen Connection, Karry und Knabe, nicht mehr leben. Und tote Zeugen schweigen bekanntlich tief.

Mehr als 3000 Investoren im Versicherungsmarkt Lloyd of London hoffen auf etwa 500 Millionen Pfund Schadenersatz, wenn das Urteil des Londoner High Court im Rechtsstreit gegen den Lloyd’s-Versicherer Gooda Walker in Pfund und Pence umgemünzt wird. Der Richter befand, die Versicherer, sogenannte Underwriters, hätten für bestimmte Risiken keine ausreichende Rückdeckung vorgenommen. Er beschränkte die Ansprüche auf fünf große Katastrophen der Jahre 1988 bis 1990. Die Geschädigten hatten nach den Lloyd’s-Regeln Gooda Walker ihr volles Vermögen als Rückhalt für das Versicherungsgeschäft versprochen und machten hohe Verluste, als die Underwriters für die Schäden etwa des havarierten Öltankers Exxon Valdez oder des Hurrikans Hugo zahlen mußten. Gooda Walker ist der spektakulärste Fall in einem Wust von Klagen, in denen etwa 30 Gruppen mit mehr als 14 000 Investoren gegen nachlässige Agenten und Versicherer vorgehen.

Die Eintreibung des Schadenersatzes werde freilich "höllisch kompliziert", meint Michael Payton, Rechtsanwalt von beklagten Agenten. In einer für Lloyd’s typischen Inzucht übernahmen Underwriters schließlich selbst wieder Risiken, die sie einmal an andere weitergegeben hatten. Deshalb haben nicht wenige der Betroffenen letztlich Forderungen gegen sich selbst. Es sei sowieso fraglich, so Payton, ob genügend Geld da sei.