Mit Sicherheit die letzte.“ So lautete die Auskunft Helmut Kohls auf die Frage, ob es die letzte Amtszeit sei, für die er gegebenenfalls am 16. Oktober gewählt würde, oder ob der vierten noch eine fünfte folge. Dieses Eingeständnis lieferte er natürlich in seinem Haussender Sat.1.

Wer Kohl wählt, so muß man seine Bemerkung verstehen, wählt den Kohl-Nachfolger gleich mit. Nach Lage der Dinge, wird in der CDU spekuliert, wäre das Wolfgang Schäuble. Denn das kann sich keiner, nicht einmal der Getreueste unter den Kohl-Anhängern, vorstellen, daß der Kanzler 1998 ausscheidet, aber zugleich seinen auserwählten Nachfolger in den Wahlkampf geleitet. Er wird also früher gehen. Wenn er „an einem bestimmten Tag das Amt verlasse – natürlich, über den Tag rede ich nicht –“, werde er schon seinen Beitrag dazu leisten, daß eine Persönlichkeit mit unverwechselbarer Handschrift die Grundsätze der Unionspolitik an seiner Stelle fortsetze, versicherte er noch. Seinen Wählern, lautet die Botschaft, werde er gnädig irgendwann nach der Wahl mitteilen, wann er geht und wer ihm folgt. Stark.

Klaus Kinkel hatte wieder einmal einen Wutausbruch, wie die Nachrichtenagentur AFP kürzlich meldete. „Regelrecht ausgeflippt“ sei der Außenminister, so zitierte die Agentur Augenzeugen, weil nämlich in Karlsruhe während einer Konferenz europäischer und asiatischer Politiker (EU-Asean) eine Menschenrechtsdemonstration stattfinden sollte. „Nie wieder“ werde er mit einer ähnlichen Veranstaltung nach Karlsruhe kommen, drohte Kinkel demzufolge an, falls kein störungsfreier Ablauf gewährleistet sei.

Er wurde aber gewährleistet. Die Demonstration, zuvor genehmigt, durfte nicht stattfinden. Die Transparente, mit denen die Gesellschaft für bedrohte Völker bei einer Mahnwache gegen die Menschenrechtsverletzungen in Ost-Timor (indonesisch besetzt) demonstrieren wollte, wurden in letzter Minute verboten. Natürlich hat das Auswärtige Amt die Nachricht von AFP über denDruck, den Kinkel in diesem Sinne ausgeübt habe, für absurd erklärt. Aber die Kollegen der Agentur stehen zu ihrem Bericht.

Nun läßt sich „Druck“ selten mit Akten belegen. Aber belegen ließe sich, daß der Außenminister schon häufiger „ausgeflippt“ ist, zuletzt im Flugzeug nach New York wegen der schrecklich unfairen Presse, wo er sich doch um das Amt gar nicht gerissen hat, auch wenn er den Journalisten nicht gerade die Knochen brechen wollte. Gunter Hofmann