ISERLOHN. – Es ist ein Streit um ein Symbol, der seit langem die Gemüter der saarländischen Stadt bewegt. Der richtige Standort einer Gedenktafel, die an die ermordeten jüdischen Mitbürger und deren Synagoge erinnern soll, entzweit die Politiker im Stadtrat. Wer durch die Straßen der Stadt geht, mag kaum glauben, daß es dort einmal eine jüdische Gemeinde mit einem eigenen Gotteshaus gab.

Auch 56 Jahre, nachdem die SA die kleine Fachwerksynagoge in der Mendener Straße ansteckte, erinnert in der Stadt fast nichts an die ehemaligen jüdischen Mitbürger. Dabei sind die Ratsvertreter schon lange der Ansicht, daß eine Gedenktafel not tut, ihre Realisierung geriet indes zur Provinzposse.

Zwar wurde der Entschluß, an die Synagoge zu erinnern, nach fast fünfzigjährigem Zögern schließlich gefaßt, aber über den rechten Ort zerstritten sich die Rathauspolitiker.

Eines stand von Anfang an fest: Der frühere Synagogenplatz kam dafür nicht in Frage, dort steht inzwischen ein Kaufhaus. Der Eingang aber, durch den das kleine Gotteshaus im Hinterhof erreichbar war, existiert noch immer. Ein idealer Ort für eine Tafel – dachten zumindest einige Bürgervertreter.

Doch die Lokalpolitiker hatten die Rechnung ohne die Eigentümer gemacht, die im November 1938 das Grundstück von der jüdischen Gemeinde erworben hatten. Ihr Gebäude stünde zu einem solchen Zweck nicht zur Verfügung, beschieden sie. „Ich weiß gar nicht, was eine solche Tafel soll“, bezweifelt Peter Bimberg, Ehemann einer der Miteigentümerinnen, den Sinn einer solchen Erinnerung.

Die Iserlohner suchten notgedrungen einen neuen Platz für die Tafel. An der Rückseite eines städtischen Pavillons, fünfzig Meter von der ehemaligen Synagoge entfernt, soll nun die Gedenktafel angebracht werden. Ein Platz, der außer dem Namen Mendener Straße nichts mit dem jüdischen Gotteshaus gemein hat. Damit die Bürger aber auch den ehemaligen Standort des Hauses finden können, schlug die SPD im Kulturausschuß vor, zumindest Straßennamen und Hausnummer auf der Tafel zu erwähnen. Ein Vorschlag, der bei den CDU-Vertretern auf taube Ohren stieß. „Es kann doch sein, daß die Mendener Straße [sie heißt seit achtzig Jahren so] eines Tages umbenannt wird. Und dann haben wir eine Gedenktafel, die auf eine falsche Straße verweist“, begründete Helmut Lindner, Vizebürgermeister Iserlohns, seine Ablehnung. Für ihn reiche es vollkommen aus, wenn auf der Tafel eine ungefähre Ortsbezeichnung stehe. Die Worte: „Hier gegenüber stand die Synagoge der jüdischen Gemeinde Iserlohn“ solle das Denkmal zieren.

Aber damit nicht genug der Verwirrung: Nach den Plänen der Verwaltung soll die Tafel in Richtung der Haupteinkaufsstraße Iserlohns ausgerichtet werden – in eine Richtung, wo das Gotteshaus nun wirklich nicht stand.