Nicht nur die steigenden Zinsen belasten zur Zeit den deutschen Wertpapiermarkt. Auch der weiterhin offene Ausgang der Bundestagswahlen verunsichert viele Börsianer. Vor allem Ausländer haben in den vergangenen Wochen deutsche Aktien verkauft. Da gleichzeitig die inländischen Anleger, auch die großen deutschen Aktienfonds, ihre Taschen geschlossen halten, gingen die Kurse vieler bedeutender Aktien stark zurück. Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat gegenüber dem Jahresbeginn bereits über elf Prozent eingebüßt.

Vor diesem Hintergrund schlagen sich schlechte Nachrichten aus den Unternehmen besonders deutlich in den Kursen nieder. Das bekamen in jüngster Zeit die BMW-Aktien zu spüren. Eine Rückrufaktion in den Vereinigten Staaten verursachte an den heimischen Börsen Mißstimmung. Bei Volkswagen wurde die Einberufung einer Aufsichtsratssitzung, in der sich die Räte mit dem Problemfall Seat beschäftigen sollen, zum Anlaß für kursdrückende Verkäufe genommen. Gestoppt wurde der Abwärtstrend allerdings durch VW-Chef Ferdinand Piëch, der auch für das dritte Quartal ein positives Ergebnis für sein Haus ankündigte. Zu einer Kurserholung kam es bei VW gleichwohl nicht.

Für Aufregung sorgte an den Börsen wieder einmal der Fall Metallgesellschaft. Die zunehmende Kritik an der Abwicklung der Öltermingeschäfte durch die amerikanische Tochter sowie damit zusammenhängende Schadenersatzklagen in den Vereinigten Staaten ließen den Kurs der MG-Aktien zeitweise bis auf hundert Mark fallen. Auf dieser Basis fanden sich dann allerdings schnell Käufer. Auch einige Spekulanten stiegen zu dem gedrückten Preis ein und hofften auf schnelle Gewinne. Sie wurden nicht enttäuscht: Das plötzliche Interesse an dem Papier sorgte für einen schnellen Anstieg des Kurses auf 140 Mark.

Die Übernahme von Mehrheitsbeteiligungen an einigen deutschen, schweizerischen und italienischen Versicherungen durch die Allianz aus dem Besitz der Schweizer Rück löste an der Börse keineswegs Begeisterungsstürme aus. Es wird befürchtet, daß zur Finanzierung dieses rund sechs Milliarden Mark teuren Geschäfts eine Kapitalerhöhung vorgenommen werden muß. Die aber wäre vom Markt schwer zu verdauen und hätte vermutlich Kursrückgänge zur Folge, da das nötige Geld dann für andere Aktien fehlt. Der Allianz-Kurs erlitt deshalb zunächst einmal einen kräftigen Rückschlag. K. W.