Posthum

Bei Elvis ging es um das Wie. Bei Richard Nixon geht es um das Ob. Soll er, der kürzlich Verstorbene, wie alle Präsidenten Amerikas auf eine Briefmarke gebannt werden oder nicht? Die Frage hat William L. Clay, Vorsitzender des Postausschusses im Repräsentantenhaus, aufgeworfen – und verneint. Einen „in Unehre Gefallenen zu ehren“, dieser Logik könne er nicht folgen, schrieb der demokratische Abgeordnete (in Anspielung auf die Watergate-Affäre) an den obersten Postdirektor Marvin T. Runyon. Der allerdings will an der „altbewährten Tradition“ festhalten. Was also tun? Bei der Beurteilung der Briefmarkentauglichkeit von Präsidenten ist Amerika noch unerfahren; bislang stritt man nur über die Briefmarkentauglichkeit von Gesichtern. Vor zweieinhalb Jahren half eine Volksabstimmung bei der Entscheidung, welcher Elvis Presley abgestempelt werden soll: der junge, tollenschwingende oder der gealterte, aufgeschwemmte. Es wurde schließlich der alte, doch das war etwas anderes. Im entscheidenden Punkt gab es damals Übereinstimmung: Elvis war erfolgreich.

Postwendend

Beim Bonner Bevollmächtigten der Freien und Hansestadt Hamburg trudelte dieser Tage eine prominente Absage folgenden Wortlauts ein: „Sehr geehrter Herr Staatsrat, beim Studium meiner Post entdecke ich soeben Ihre Einladung zum Hamburg-Forum am 29. September. Abgesehen von der Tatsache, daß diese freundliche Einladung zwei Tage vor dem Veranstaltungstermin auf meinen Schreibtisch kommt, beeindruckt mich die Wahl des Themas und noch mehr die Wahl der Referenten. Die Vorstellung, daß der Chefredakteur vom Spiegel und der Chefredakteur von Die Zeit zu dem Thema ‚Medienmacht im Wahlkampf diskutieren, vermittelt mir ein erhebendes Gefühl. Da ich seit Jahrzehnten die gepflegte Objektivität der beiden Organe aus Hamburg bestens aus eigener Erfahrung kenne und schätzengelernt habe, bin ich schon jetzt von den zu erwartenden Offenbarungen restlos überzeugt. Ich bin sicher, daß eine dankbare Hörergemeinde mit den Herren diskutieren und am Ende zu der Überzeugung kommen wird: Es lohnt sich, in Deutschland links zu schreiben und rechts zu leben! Mit freundlichen Grüßen, Helmut Kohl.“

Postkommunistisch

Die Wende hat den Ungarn drei Plagen beschert: Arbeitslosigkeit, Inflation und – vergiftetes Paprikapulver. Über vierzig Menschen sind nach dem Genuß des ungarischen Nationalgewürzes ins Krankenhaus eingeliefert worden. Befund: Bleivergiftung. Offizielle Proben haben ergeben, daß etwa ein Drittel der ungarischen Paprikaproduktion verseucht sein muß. Patrioten vermuten dahinter eine antiungarische Verschwörung, die Touristen abschrecken soll. Glaubhafter ist die Version der Polizei, nach der gewissenlose Händler das Gewürzpulver mit einer toxischen Verbindung aus Mehl und roter Farbe verlängert haben. „Jeder hat hier eine Lizenz, alles zu produzieren“, erregt sich Pal Juhasz, ungarischer Parlamentsabgeordneter, „die Qualität ging den Bach runter.“ Juhasz, überzeugter Antikommunist, mag da wehmütig an einen sozialistischen Grundsatz zurückdenken: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.