Von Jo Groebel

George Lucas wartet nicht. Der "Star Wars"-Macher nimmt die Verwirklichung seiner Utopien selbst in die Hand. Jules Verne hatte noch kaum eine der von ihm beschriebenen Kühnheiten – wie Fax oder U-Boot – Wirklichkeit werden sehen. Lucas dagegen ist jetzt einer der geistigen Architekten der neuen virtuellen Welten und des Information highway.

Die auch von ihm vorangetriebene Technik der dreidimensionalen Bildkommunikation kommt der Science-fiction-Idee des Beamens nahe, der Reise durch Raum und Zeit. Die weltumspannenden digitalen Netze lassen jeden an jeder jemals gespeicherten Information oder an jedem aktuellen Ereignis teilhaben.

Bei allem Enthusiasmus für Innovation und neue wirtschaftliche Möglichkeiten sieht der erfolgreiche Hollywood-Regisseur aber auch die großen gesellschaftlichen Folgen der Kommunikationsexplosion: In der September-Ausgabe des amerikanischen Kultmagazins Wired fordert er zusammen mit dem demokratischen Senator Bob Kerrey den möglichst schnellen Anschluß jeder Schule und jeder Bibliothek an die Infobahn. Nicht allein der Markt dürfe entscheiden, vielmehr müsse politisch gewährleistet sein, daß jeder den freien Zugriff zu grundlegenden Informationen erhält, um die Fähigkeit zu erwerben, aus dem nahezu unbegrenzten Angebot das Richtige auszuwählen.

Bemerkenswert ist dabei, daß auch Vertreter von Deregulierung und Wettbewerb die gesellschaftliche Notwendigkeit eines offenen universal Service für jeden sehen. Während also etliche noch einen neuen Manchester-Liberalismus des Kommunikationszeitalters befürchten (everything goes: alles, was gezeigt werden kann, wird auch gezeigt; die soziale Verantwortung spielt beim Kampf um Marktanteile keine Rolle), wird bereits an. den "Verfassungen" für die alten und neuen Gemeinschaften gearbeitet.

Verändert sich denn überhaupt etwas grundlegend in der Kommunikationswelt? Noch immer sitzen die Bürger vorwiegend vor dem Fernsehapparat, zappen vielleicht ein bißchen herum, haben vielleicht demnächst noch ein paar mehr Kanäle zur Verfügung. Aber sonst? Ich behaupte, kaum ein Stein, besser: kaum ein Pixel wird auf dem anderen bleiben. Allerdings wird man nicht mehr von einer Revolution, vom Durchbruch eines Mediums sprechen können, so wie wir in der Vergangenheit die Zeitalter des Buches, des Films, des Radios, des Fernsehens, des Computers hatten. Die weitere Medienentwicklung lebt in offenen Systemen. Die verändern sich ständig, werden ergänzt, verbessert, alte und neue Angebote existieren nebeneinander. Der Begriff Evolution kennzeichnet diesen Vorgang am besten. Die einfachsten und anpassungsfähigsten Elemente werden sich langfristig durchsetzen; technische Kompatibilität ist eine Grundvoraussetzung. Das heute noch zum Teil notwendige, eigentlich unsinnige Nebeneinander von Fernsehbildschirm und PC-Monitor, von Dolby-Surround-System und Multi-Media-Lautsprechern, von Telefon- und Fernsehnetzen wird mit verbesserter – vielleicht irgendwann sogar benutzerfreundlicher – Technik und gemeinsamen Standards durch ein integriertes System ersetzt werden.

Evolution heißt allerding nicht, daß sich alles automatisch zum Besten regelt. Die aktive Gestaltung der weiteren Entwicklung durch möglichst viele ist möglich und notwendig. Dabei können privatwirtschaftliche Syteme und öffentliche nebeneinander existieren.