DIE ZEIT

Eingelenkt

Nach hundert Tagen Staatstrauer um den Vater trat der Sohn vor das Volk. Wortlos präsentierte sich Kim Jong II am vergangenen Sonntag der Nation inmitten der nordkoreanischen Spitzengenossen und Generäle.

Tugendpreis?

Der Friedensnobelpreis gebührt dem, der „für die Verbrüderung der Völker gewirkt hat und für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Vorbereitung von Friedenskongressen“.

Vergangene Woche wurde Schimon Peres gemeinsam mit Jitzhak Rabin und Jassir Arafat der Friedensnobelpreis zugesprochen. In einem ZEIT-Interview beschreibt der israelische Außenminister seine Vorstellungen über den Fortgang des nahöstlichen Annäherungsprozesses und seine Visionen für den Vorderen Orient: „Es gibt nichts mehr zu erobern“

DIE ZEIT: Herr Minister, im Nahen Osten liegen Freude und Schock oft dicht beieinander. Am Freitag vergangener Woche kamen fast gleichzeitig die gute Nachricht, daß Ministerpräsident Rabin, Sie und Jassir Arafat den Fiedensnobelpreis erhalten, und die tragische Meldung, daß der entführte Gefreite Nachschon Wachsman von seinen Kidnappern erschossen wurde, ehe er befreit werden konnte.

Die politischen Verhältnisse in der Bundesrepublik sind nach der Wahl noch unübersichtlicher geworden. Stabilität wird beschworen, Stagnation droht: Die Macht am Rhein verflüchtigt sich

In der Hand hält Kurt Biedenkopf ein Papier, das er fein säuberlich in Spalten unterteilt und vielfarbig beschriftet hat. Darauf skizziert sind die Koalitionen in den sechzehn Bundesländern und die komplizierten Mehrheitsverhältnisse, wie sie sich im Bundesrat und im Vermittlungsausschuß widerspiegeln.

Letzte Blüte

Ist die britische Monarchie reif für den Müllhaufen der Geschichte? Längst sind die Windsors zu Objekten voyeuristischer Begierde geworden.

Haiti bejubelt die Rückkehr seines Präsidenten. Doch ohne internationale Hilfe droht Aristide zu scheitern: Hoffnung allein macht nicht satt

In der schäbigen, traurigen und staubigen Hauptstadt Port-au-Prince fallen sich die Menschen in die Arme, tanzen, singen: Li tounen!“ – „Er kommt zurück!“ Die Bretterbuden in den Slums von Cité Soleil und Le Saline sind mit frischen Zweigen geschmückt, die Raga-Trommeln hämmern, als wollten sie das Geknatter der US-Hubschrauber übertönen.

Bonner Bühne: Oben nichts los

Für einen Moment haben die Bundesbonner denn doch von ihren Nachwahlgeschäften aufgeblickt: Immerhin ein Machtwechsel in Bonn, im Rathaus gleich nebenan, von Schwarz-Gelb zu Rot-Grün.

Leiden eines Briefwählers: ... und mit Tesafilm zukleben: Loriotmäßig

HAMBURG. – Das weiße Kuvert vom Wahlamt der Stadt Köln wog 300 Gramm. Heraus purzelten ein grüner, ein hellroter, ein dunkelroter und ein blauer Umschlag, ein grüner, ein hellroter und ein mehrfarbiger Stimmzettel, ferner ein grauer und ein grüner Wahlschein sowie zwei beidseitig bedruckte Merkblätter.

Der Bischof bleibt hart: Bockige Schäfchen

ANNOVER. – Ein Oberhirte verstößt seine bockigen Schäfchen. Josef Homeyer, Bischof von Hildesheim, hat die aufmüpfigen Mitglieder der Studenten- und Hochschulgemeinde in Hannover aus der katholischen Kirchengemeinde ausgeschlossen und ihnen das Recht abgesprochen, sich weiterhin nach Friedrich Spee von Langenfeld zu benennen.

KLAUS HARTUNG: Kreuzberg ist Prenzlau

BERLIN. – In Wahlzeiten hat die Wahrheit kurze Beine. Sie kommt nicht einmal bis zum Ohr, auch wenn sie aufhorchen läßt. Am Rande des Siegesjubels in der Kongreßhalle meinte Gregor Gysi, man müsse eben für „Kreuzberg immer mitdenken, wenn man Konzepte für Mitte und Prenzlauer Berg erarbeitet“.

Blickpunkt: Teure Schlamperei

Die Mutmaßungen des Spiegel über den bevorstehenden Minister-Rücktritt waren verfrüht, noch ein Opfer des Kriminalstücks um die Steinhagener Balsam AG soll es nicht geben.

Manager und Märkte

Brau und Brunnen: Spitze mit Bavaria Müller-Milch: Schlappe vor Gericht Foron: Unverhofftes Lob

+ Weitere Artikel anzeigen