Von Gunter Hofmann

Bonn

Zuletzt ging es zu wie zwischen Burt Lancaster und Gary Cooper in "Vera Cruz". Es kam zum shoot out. Jürgen Möllemann hat dabei verloren, das Wort "Opfer" möchte man allerdings gerne vermeiden. Klaus Kinkel überlebte, obwohl auch das Wort vom "Sieger" nicht recht in die Landschaft passen will.

Immerhin geht es um die Zukunft der FDP, oder, noch wichtiger, des politischen Liberalismus, allerdings auf unterem Niveau. Möllemann, Landesvorsitzender seiner Partei in Nordrhein-Westfalen, wurde in der Nacht zum Dienstag dadurch zum Rücktritt gezwungen, daß der ganze Landesvorstand demissionierte. Nun überlegt er, ob er weiterhin das Stehaufmännchen der FDP spielen soll. Egal.

Den Anlaß hatte Möllemann mit dem öffentlich vorgetragenen Wunsch geboten, als Bildungsminister ins Kohl-Kabinett zurückzukehren. Kinkel zeigte sich schlicht desinteressiert. Worauf Jürgen Möllemann geglaubt haben muß, die Gelegenheit sei nun gekommen, den Partei Vorsitzenden zu jagen und vielleicht auch zu stürzen.

Kinkels Glück und Kinkels Pech: Die Freidemokraten haben für ihren Vorsitzenden keine Alternative. Vor allem deshalb wird er auch den Dezember-Parteitag in Gera überleben. Interessant sind Kinkel und Möllemann nicht, mit Verlaub, wegen eines besonderen Unterhaltungswertes oder weil sie etwas von der verbliebenen Substanz des Liberalismus reflektieren, sondern zunächst einmal als Phänotypen in der Welt der Politik.

Klaus Kinkel bleibt auf merkwürdige Weise eine abgeleitete Größe. Immer war jemand da, dem er zuarbeiten konnte. Jetzt arbeitet er Kohl zu, aber das erlaubt seine Rolle eigentlich nicht. Ehrlichkeit trägt er wie einen Panzer, Treue und Loyalität als Markenzeichen. Kurzum, Kinkel repräsentiert die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln: Es "menschelt", wenn er auftritt, das Politische verblaßt.