Oft werden Wort falsch getrennt, von Menschenhand oder vom Kopf des Computers. Im Spiegel vom 28. Februar 94 steht, daß der Schöngeist und Genie-ßer Gregor von Rezzori im Frühjahr seine Memoiren veröffentliche.

Wer Trennfehler umgeht, löst wenig. Geniesser hört sich nicht minder mißverständlich an als Genieß-er. Eklatantestes Beispiel auf diesem Gebiet: Das hinter älteren Tapeten hausende Silberfischchen gehört zur Gattung der Urinsekten, Heideggerianer würden sagen: Ur-In-sekten. Dieses Wort kann noch so korrekt getrennt werden, unausweichlich zerfällt es 1. in Urin und 2. in entweder Sekt oder Sekten. Und solche Worte sind häufig!

Kaum trenne ich so dudengemäß wie möglich Klimaanlage, steht am Ende der Zeile „Klimaan-“, also ein hebräisch oder islamisch klingendes Wort, so nach Kanaan oder Kaaba. Kaum trenne ich Gewerbeinspektor, steht am Ende der Zeile „Gewerbein-“, wodurch aus dem Fokus dieses Wortes ein irritierendes, völlig unnötiges Bein hervorsteht. Das wird nur noch überboten von Babylonischer Kunst, die am Beginn ein komplettes „Baby-“ auf die Zeile legt.

Beim Stichwort Indianapolis steht im dtv-Brockhaus auf einer Zeile: „schofssitz; mehrere Univ. alljährlich Autoren-“. Wie kann dieses Wort weitergehen? Autorenlesungen? Autorenstammtische? Autorenfestivals? Wieso soll im Lexikon erwähnt werden, daß in einer Stadt mit 700 800 Ew. alljährlich Autorenlesungen stattfinden? Es heißt anders: „Autoren-nen“.

Derselbe Effekt stellt sich maßstabsvergrößert beim Blättern in älteren Lutherbibeln ein. Erschrocken liest der unbeirrbar Gläubige unten am Seitenschluß: „Gott gibt es nicht“ – wie kann dergleichen in der Bibel stehen? Nun wird die Seite umgeschlagen, und oben steht: „spricht der Narr.“