Frage: Es gibt massenhaft Gerüchte über Ihr Liebesleben. In drei Jahrzehnten wurden Ihnen Liebschaften mit Sly Stallone, Prinz Charles, Mohammed Ali und Ihrem Teddybären nachgesagt. Wie kommt es, daß ein schwuler Mann Kinder und eine Familie hat?

Travolta: Wow! Sei nicht blöd! So etwas fragt man nicht. Kein Kommentar.

Ein Dialog aus dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ vom 21. Oktober 1994

Helmut Kossodo

Seit sechzig Jahren wohnte er in Genf, wohin sich seine Eltern, die in Berlin ein gutgehendes Reklamegeschäft hatten, gleich 1933 abgesetzt hatten. Obwohl die eidgenössischen Behörden den jungen Helmut Kossodo als Sohn jüdischer Emigranten während des Krieges in ein Internierungslager steckten, war die Familie in der Schweiz relativ gut aufgehoben. Auch verfügte sie über die finanziellen Mittel, um ihren großbürgerlichen Lebensstil fortzusetzen. Den gentlemanliken Stil legte Kossodo niemals ab, obwohl er in späteren Jahren den gewohnten Komfort entbehren mußte. Als Helmut Kossodo vor zwanzig Jahren seinen Verlag (der unter den Ortsnamen „Hamburg und Genf“ firmierte) verlor, büßte er auch die letzten Reste seines vom Vater geerbten Privatvermögens ein. Seither und bis zuletzt arbeitete er als Übersetzer – unter anderem von Julien Green, der Kossodos Arbeiten hoch schätzte. Als Verleger hatte er sich in den sechziger Jahren mit einem geradezu provokativ eigenwilligen Programm einen Namen gemacht: Immerhin bahnte er für Autoren wie Miguel Asturias und Han Suyin, William Styron und Henri Troyat den Weg zum deutschsprachigen Publikum. Sogar Texte von John Lennon brachte er heraus. Die größten Verdienste erwarb er sich jedoch mit dem Projekt, an dem er sich schließlich in wirtschaftlicher Hinsicht übernahm: der ersten Gesamtausgabe von Robert Walsers Werken. Am vergangenen Freitag starb Kossodo im Alter von 79 Jahren.

Balsam für Deutschland

Seit Tagen rinnt uns dieser gelbgrüne Schleim aus der Nase, und gestern sagte uns der freundliche Apotheker: „Es ist ja auch Erkältungszeit.“ Und schob uns einen großen Karton über den Tresen, in dem sich ein Inhalator der Firma Asta Medica befand. Wir zitieren aus der Broschüre „Balsam für die Atemwege – Eine Patienten-Information“: „Der Inhalator besteht aus Außentopf, Innentopf, Oberteil und der über Kugelgelenk beweglichen Gesichtsmaske.“ Ja, ja, so ein Gerät haben wir wohl schon einmal besessen und vor einem Umzug der Müllabfuhr anvertraut. Wir wissen auch noch, wie man’s macht: „Geben Sie einen mehrere Zentimeter langen Salbenstrang auf den Boden des Inhalator-Innenteils. Gießen Sie heißes Wasser dazu (nicht über die Markierung füllen!). Schrauben Sie nun das Oberteil mit der Atemmaske sorgfältig auf.“ Kennen wir alles, wir sind Erkältungsprofis. Aber was soll jetzt das? „Nun wird der Wirbulator durch den Kreuzschlitz eingeführt.“ Der Wirbulator??? „Wenn das heiße, sprudelnde, ätherisch-ölig dampfende Inhalat zur abgestandenen, lauwarmen Brühe wird“, erklärt der freundliche Apotheker, „kann man damit ein bißchen umrühren. Dann geht’s wieder.“ Und seltsamerweise haben wir unsere Erkältung plötzlich vergessen. Ein tiefer Seufzer entringt sich unserer Brust, und viel grüngelber Schleim rinnt traurig aus unserer Nase. Denn wir denken an unser Land, an unser lauwarmes Gemeinwesen nach der Wahl. Könnte man da nicht auch mal ein bißchen – umrühren? Deshalb unsere Bitte: Wenn Sie, liebe Leser, irgenwo am großen Gebäude unseres Staates eine kreuzschlitzförmige Öffnung entdecken, rufen Sie uns an. Wir werden gerne unseren Wirbulator zur Verfügung stellen und auch beim Einfuhren helfen. Balsam für Deutschland – Eine Patienten-Information des ZEIT-Feuilletons.