Allein sein! Virginia Woolf forderte sehr bestimmt "ein Zimmer für sich allein", nicht wahr, und was der sublimen Dichterin dieses Zimmer, ist Lena Landströms delikatem Nilpferd - irgendwo an einem langen Fluß, irgendwo im tiefen Afrika - eine schöne schlammige und einsame Badebucht; die Menschen (und dergleichen) sind ja verschieden. Nur in einem war sich eben doch noch ein jedes empfindende Wesen mit sich selber einig: Die Hölle, das sind die anderen. Ach, aber schon folgt die Hölle nach, schon haben die Artgenossen Nilpferds stillen Schlammstrand aufgespürt und wollen auch dort planschen . Da will kein Seegraspudding mehr munden, da werden die Nächte trüb. Verzweifelt baut sich das exklusive Tier eine kleine Badehütte. Es fruchtet nichts: Schon haben Hüttenbesetzer sie erklommen; vor allem die Nilpferdjugend zeigt null Respekt. Traurig trottet der Bade Eremit davon, immer am Fluß entlang und kommt just zu der Bucht, von der die anderen aufgebrochen waren, um ihm zu folgen. Dort ist jetzt alles verlassen und leer, und endlich, endlich kann das Nilpferd baden, unter dem Mond - und ganz allein.

Eine wunderbare Fibel für die kleine Menschenfeindin und den kleinen Menschenfeind, dieses vornehmlich in Dschungelgrün und sanftblauem Flußpferdgrau gemalte Bilderbuch der Stockholmerin Lena Landström, Jahrgang 1943, die für ihre Werke ("Nisse beim Friseur"!, "Nisses neue Mütze"!!) schon viele Preise bekam. Und wertvoll, pädagogisch, denn man kann mit der Erziehung zur Misanthropie gar nicht früh genug beginnen: Wo die anderen nicht sind, ist das Glück! Aus dem Schwedischen von Silke von Hachl; Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg 1994; n p, 16 80 DM