Nachdem die FDP in Nordrhein-Westfalen fast aus sämtlichen Rathäusern katapultiert worden ist, sucht sich die CDU neue Partner. Und siehe da, sie stößt auf grüne Socken. Früher las man’s anders. Da galten sie als „grünlackierte Faschisten“: In Gladbeck, einer Stadt mit immerhin 80 000 Einwohnern, ziehen die Grünen ein Bündnis mit der CDU einem mit der SPD vor. In Mülheim bahnt sich ähnliches an.

Das Argument ist bemerkenswert: Die CDU, heißt es bei den Grünen, stehe auf vielen Feldern für eine fortschrittlichere Politik als die SPD, die rechtskonservative Züge aufweise. Eine große Koalition mit der SPD wünsche er sich derzeit gar nicht so sehr, meinte kürzlich ein Bonner Christdemokrat, weil die Sozialdemokraten in Fragen, die ihm wichtig seien, von der Ausländerintegration bis zur Asylpolitik und Europa, zum Teil noch konservativer und ignoranter seien als die FDP.

Bonn ist deswegen noch lange nicht Gladbeck. Aber es findet ein Umdenken statt, nicht nur in den Rathäusern. In dem Maße, in dem die „roten Socken“ zum Bürgerschreck gemacht worden sind, hat der alte Bürgerschreck, die Grünen, sein Bedrohliches eben endgültig verloren.

Vielleicht muß man es nicht gerade „rechtskonservativ“ nennen, aber linksliberal klingt es schon gar nicht, wie der innenpolitische Sprecher der SPD, Ulrich Maurer, auf die Koalitionsverhandlungen reagiert. Wenn es zuträfe, sagte er, daß „die Bekämpfung der organisierten Kriminalität in Deutschland ausgeklammert und die wachsende Bedrohung der inneren Sicherheit durch skrupellose Verbrechenssyndikate tatenlos hingenommen“ würden, kapituliere die Koalition vor dem organisierten Verbrechen. Dann würden die Syndikate „ihren Zugriff auf Deutschland vermehrt fortsetzen“. Sicher muß die SPD ihre Kompetenz in solchen Fragen beweisen, aber muß sie sich deshalb dermaßen als Law-and-order-Partei aufplustern, die gegen die lasche Kanther-Leutheusser-Truppe Deutschland vom bösen Fremden sauberzuhalten verstünde? Das behauptet doch schon FDP-Rechtsaußen Alexander von Stahl. Das SPD-Wahlkampfplakat, auf dem ein Farbiger in Handschellen abgeführt wurde, war offenbar kein Ausrutscher. Gunter Hofmann