Von Rita Henß

Mit einem warmen Lächeln zieht uns Dona Lizette Marilia in die dunkle Kühle ihres Salons. Eine Oase der Frische öffnet sich hinter den armdicken, aus rohen Granitsteinen gefügten Mauern, während draußen über den Weinfeldern und den sanft gewellten Äckern des Alto Tamaga heiß die Sonne brütet.

Wir sind in Portugals äußerstem Norden, nur wenige Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Tras-os-Montes heißt die Region, Sao Estevao das Dörfchen. Anfang des 13. Jahrhunderts, meinen Lokalhistoriker, habe hier Portugals zweiter rechtmäßiger König, Sancho II., residiert. „Und die Gattin des vierten, Königin Isabel, hat in unserer Quinta die Nacht vor der Hochzeit verbracht“, strahlt Dona Lizette.

Heute braucht man kein blaues Blut in den Adern zu haben, um in der „Quinta da Santa Isabel“ schlafen zu können. Das stille Anwesen hinter der Kirche, an dessen Pforte sich Rosenbüsche bauschen und ein mächtiger Feigenbaum weiträumig Schatten spendet, zählt zu den dreihundert historischen Herrensitzen Portugals, die von ihren Eignern in den achtziger Jahren mit staatlichen Zuschüssen restauriert und als Gästehäuser für Touristen hergerichtet wurden.

Ein stilisierter Baum ist das Symbol dieser privaten Etablissements. Ihre Bandbreite reicht vom palastartigen Adelssitz mit Freitreppe und Hauskapelle, wie der „Casa Paço da Gloria“ in der Region Minho, über kleine Weingüter im Stil der „Quinta de Vermil“ unweit von Ponte de Lima bis hin zu stattlichen Bauernhöfen. Anders als in den staatlichen Pousadas darf der Gast in diesen „Quintas“ und „Casas nobres“ freilich weder 24-Stunden-Service noch ein gedrilltes Hotelmanagement erwarten.

Dafür wohnen die Besucher meist unter einem Dach mit den Besitzern. Die entstammen oft noblen portugiesischen Familien und geben gern Auskunft über die Geschichte ihres Hauses und wissen kenntnisreich über die Besonderheiten ihres Dorfes und der Region zu plaudern.

Auch Dona Lizette Marilia Chaves da Veiga Sarmento, eine Cousine von Fernando Pessoa, dem bedeutendsten Dichter der portugiesischen Moderne, gibt gern Auskunft. Schon seit Generationen, läßt sie uns bei einem Gläschen Porto in ihrem gutturalen Französisch wissen, gehöre die „Quinta da Santa Isabel“ zum Besitz der Familie ihres Mannes. Die Schwiegermutter sei hier geboren, und auch deren Vater. Ihr Mann Don Francesco, am Glas nippend, beschränkt sich auf zustimmendes Nicken. Die sieben Gästezimmer und Appartements in den niedrigen Steinbauten rund um den Innenhof sind geschmackvoll mit antiken Möbeln ausgestattet. Im Gemach der ehemaligen Königin erwarten den Gast ein ausladendes Himmelbett und hochherrschaftliches Dekor in sanften Farben. In einen anderen Raum wurde eine Schlafgalerie eingezogen. Nahezu jedes Detail habe sie selbst entworfen, bekennt Dona Lizette, und die Dekorationen oft selbst ausgeführt.