Es klingt absurd: Sein ganzes Spekulantenleben lang hetzt der kleine Börsianer hinter heißen Tips her – meist allerdings vergeblich. Und wenn er dann wirklich einmal fündig wird, dann darf er mit seinen Informationen jetzt nichts mehr anfangen. Und falls er es dennoch tut, dann drohen ihm bis zu fünf Jahre Knast.

Das neue Insider-Gesetz nimmt nicht nur die großen Tiere hart ran. Ein Leitfaden der Deutschen Börse weist ausdrücklich darauf hin: Jeden kann es erwischen. Selbst den Kegelbruder des Schwagers des Chauffeurs, der bei seiner Arbeit unfreiwillig das Telephonat eines Spitzenmanagers mitbekommt.

Ob solche Sekundär-Insider sich von der neuen Regelung tatsächlich abschrecken lassen, ist freilich mehr als fraglich. Im Ernstfall wird ihnen schwer etwas nachzuweisen sein. Ebenso wie dem Primär-Insider, der einen Strohmann vorschickt.

Aber auf Fairneß im Aktienhandel zu hoffen wäre auch pure Illusion. Es gehört zum Wesen der Börse, daß hier jeder versucht, aus der Unwissenheit anderer Kapital zu schlagen. Deshalb werden auch in Zukunft die Profis auf Kosten der Laien Gewinne machen, die Hartgesottenen auf Kosten der Ängstlichen und die Eingeweihten auf Kosten der Uniformierten. per