Nach wie vor sind die deutschen Wertpapiermärkte von der Börsentendenz in New York abhängig. Der schwache Dollar und die Furcht vor steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten hatten in der Vorwoche den Deutschen Aktienindex (Dax) deutlich unter die Marke von 2000 fallen lassen. Gleichzeitig hatte sich die durchschnittliche Umlaufsrendite öffentlicher Anleihen dem Stand von 7,50 Prozent genähert. Ein Umschwung setzte am vergangenen Freitag ein, als sich in den Vereinigten Staaten die Inflationsgefahr zu verringern schien. Daraufhin erholte sich der Dax unter Schwankungen um rund hundert Punkte.

Bewirkt wurde dies im wesentlichen durch die Geschäfte an der Deutschen Termin-Börse (DTB). Die Umsätze an der Präsenzbörse blieben im allgemeinen gering. Abwartend haben sich auch die Ausländer verhalten, was teilweise mit der innenpolitischen Situation erklärt wird.

Am Rentenmarkt konnte die zehnjährige Postanleihe, übrigens die letzte dieser Institution, zum Nominalzinssatz von 7 3/4 Prozent bei einem Ausgabekurs von knapp unter hundert reibungslos plaziert werden. Das zeigt: Wenn marktgerechte Konditionen geboten werden, finden sich auch Käufer. Die Vergangenheit beweist, daß sich Renditen um acht Prozent für den Anleger langfristig als befriedigend herausgestellt haben.

In dem Klima allgemeiner Unsicherheit am Aktienmarkt verpuffen die meist positiven Unternehmensberichte indes wirkungslos. Allenfalls vermögen sich die Kurse der Rechenschaft ablegenden Unternehmen nur kurzfristig zu erholen. Von einer Branchenrotation, wie sie vor einigen Wochen zu beobachten war, ist keine Rede mehr.

Kursbeeinflussend wirken sich die engen Märkte vor allem in den Papieren der sogenannten zweiten Linie aus, wo auch an umsatzlosen Tagen größere Kursschwankungen zu beobachten sind. Das trifft besonders für den Softwarehersteller SAP zu, dessen Aktien zu den Lieblingspapieren der Börsianer geworden sind.

Im Pharmabereich haben Schering-Aktien wieder Fuß gefaßt und notieren nach einigen Rückschlägen wieder oberhalb der Marke von tausend Mark. Bei den Autoaktien erweisen sich die Daimler-Papiere als besonders empfindlich. Insbesondere ausländische Anleger trennen sich von dem Wert. Das Hickhack um die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden hat offenbar Irritationen ausgelöst. K.W.