DORTMUND. – Zwölf Jugendliche, zwischen 16 und 21 Jahren alt, bauen derzeit an ihrer eigenen Zukunft: Neun junge Männer und drei Frauen, die bislang in Wohnheimen untergebracht waren, renovieren zwei Altbauten in der Nordstadt. Dort leben sie bereits und können nach Abschluß des Projekts die modernisierten Wohnungen mieten.

Bundesweit einmalig ist die Finanzierung dieses Projekts, das bewußt nicht auf öffentliche Gelder zurückgreift: Vielmehr werden die Tariflöhne, die den jungen Leuten die GrünBau GmbH zahlt, aus den Pflegesätzen bestritten, die die Stadt bislang für die Unterbringung der Jugendlichen an die Heime überwies. Das waren immerhin täglich rund 230 Mark pro Jugendlichem.

„Ich würde gern eine Lehre als Elektriker machen“, sagt der siebzehnjährige Dominik von der Instandsetzertruppe, der nach einem Leben im Heim und dem verpaßten Hauptschulabschluß kaum Chancen auf einen Ausbildungsplatz hat. „Erst möchte ich hier auf dem Bau einiges lernen und dann den Schulabschluß nachholen.“ Dominik und den anderen Jugendlichen gibt der Modellversuch die Chance, aus der staatlichen Fürsorge herauszukommen und aus eigener Initiative die Zukunft anzupacken.

Dies ist nicht einfach. Vier Jugendliche sind abgesprungen. Trotz einer intensiven Betreuung durch vier Sozialarbeiter – drei von ihnen haben eine Doppelqualifikation als Schreiner, Tischler oder Elektriker – schafften die vier den Einstieg in den Berufsalltag nicht. Dabei starten die früheren Heimbewohner mit einer verkürzten Wochenarbeitszeit von dreißig Stunden und werden über den gesamten Tag von den Betreuern begleitet.

„JAWOLL“ – Jugend-Arbeit-Wohnen-Leben-Lernen – haben die Dortmunder das Projekt getauft, bei dem Jugendamt und GrünBau mit der öffentlichen Baugesellschaft Ruhr-Lippe zusammenarbeiten. Für alle drei Träger war klar, daß das Projekt kein zusätzliches Geld kosten darf.

Mit der Ruhr-Lippe wurde eine Baugesellschaft gefunden, die sich auf den Versuch einlassen wollte und mit den Häusern an der Enscheder Straße 16 und 18 zwei Gebäude besitzt, die dringend renoviert werden mußten. Dafür stellte die Gesellschaft rund 1,4 Millionen Mark Investitionsgelder ein, „die ganz normalen Kosten“, wie Ruhr-Lippe-Sprecher Peter Junker versichert. Für diese Summe garantiert GrünBau den fachgerechten Ausbau der Häuser: Sicherheitsrelevante Anlagen wie Gasleitungen, Heizung und Elektroinstallationen werden von Meisterhand ausgeführt, die übrigen Arbeiten von den zwölf Jugendlichen.

Deren Löhne und den Mehraufwand, den ihre Anleitung und Betreuung erfordern, finanziert GrünBau wiederum über die Pflegegelder, die das städtische Jugendamt für die Heimunterbringung hätte zahlen müssen. Die Jugendlichen erhielten auf zwanzig Monate befristete Arbeitsverträge, sind damit sozialversichert und erwerben Ansprüche beim Arbeitsamt – falls sie im Anschluß an ihre Arbeitsverträge keine Stelle finden, kann das Arbeitsamt sie umschulen oder fortbilden. Im ungünstigsten Fall erhalten sie Arbeitslosengeld.