Für spektakuläre Personalentscheidungen bleibt der Springer-Konzern eine erste Adresse: In der vergangenen Woche schickte Aufsichtsrat Bernhard Servatius die Vorstandsmitglieder Werner Stumpfe (Personal) und Manfred Niewiarra (Elektronische Medien) vorzeitig nach Hause. Nun wird das 3,4 Milliarden Mark umsatzstarke Medienhaus (Welt, Bild, Hörzu, Sat 1) nur noch von einem vierköpfigen Vorstand geführt: An der Spitze Jürgen Richter, der erst auf der Hauptversammlung im Juni Nachfolger von Günter Prinz wurde und völlig überraschend den ursprünglich als Prinz-Nachfolger auserkorenen, altgedienten Springer-Mann Horst Keiser ausstach. Richter ist nun für die Ressorts Zeitungen, Elektronische Medien und Personal zuständig. Seine Kollegen Falk Ettwein (Finanzen), Rudolf Knepper (Technik) und Dieter Pacholski (Zeitschriften) rückten erst im Juni in den Vorstand auf. Kurios: Damit ist Firmenchef Richter nun sogar dienstältestes Vorstandsmitglied. Er gehört dem Gremium seit Mai 1994 an.

Geld spielte bei dem Superphénix, dem schnellen Brüter in der Nähe von Lyon, bisher keine große Rolle. Den Strommonopolisten in Frankreich, Italien und Deutschland machte es anscheinend nichts aus, mehr als neun Milliarden Mark in den Plutoniummeiler zu stecken, der seit Inbetriebnahme 1986 wegen diverser technischer und politischer Probleme lediglich 174 volle Tage Strom lieferte.

Jetzt hat offenbar zumindest der deutsche Partner RWE genug von dem Pannenreaktor. Die RWE-Tochter Schnellbrüter-Kernkraftsgesellschaft (SBK), mit sechzehn Prozent beteiligt, wolle ihre Kostenbeteiligung verringern oder ganz aussteigen, erklärte kürzlich der SBK-Vorstand Ulrich Mutschler gegenüber der Schweizer Tageszeitung Le Nouvel Quotidien.

Der Grund für den möglichen Rückzug: Die französische Regierung hatte im März beschlossen, den Superphenix in ein Großlabor zu verwandeln, um dort – Ironie der Geschichte – Plutonium zu verbrennen. Diesem Wandel vom Brüter zum Brenner stehen die SBK-Verantwortlichen „äußerst zurückhaltend gegenüber“, wie Mutschier schon im September erklärt hatte.

Für den Atommanager steht die erstaunliche Mutation auch nicht im Einklang mit der Konvention, die die Franzosen, Deutschen und Italiener 1973 unterzeichnet haben. Bis Ende des Jahres soll sie deswegen neu verhandelt werden. Sicher scheint, daß die französische Atomindustrie und vor allem der Stromkonzern Electricite de France (EDF) zumindest die Umnutzung des Kraftwerks voll bezahlen wollen. Aber bis dahin könnte sich die Frage auch ganz anders stellen. Denn der Superphenix hat weiterhin große technische Probleme, aus der Asche zu kommen: Seitdem er Anfang August nach vierjähriger Zwangspause wieder angeworfen wurde, liefert er nur drei Prozent seiner möglichen Kapazität von 1200 Megawatt. Und wann er wieder ans Netz gehen kann, steht noch in den Atomen.

Der Hamburger Otto Versand, weltweit die Nummer eins der Branche, in Deutschland allerdings auf Platz zwei hinter Quelle, rüstet sich für neue Märkte: Nach dem Start 1986 in Japan mit der Otto-Sumisho soll nun in Indien ein zweiter asiatischer Brückenkopf errichtet werden. Im Oktober nahm die Otto-Burlingtons’ Mail Order in Neu-Dehli ihre Tätigkeit auf, ein Joint-venture wie in Japan auch. Der Subkontinent soll gleich ganz ins Auge gefaßt werden, denn das Land verfügt, so Firmenchef Michael Otto, „über ein vernünftiges Postsystem“ – eine Hinterlassenschaft der ehemaligen britischen Kolonialherren. Mit Japan und Indien hofft Michael Otto, eine gute Ausgangsposition zu beziehen, um weitere asiatische Märkte zu erobern. Dabei denkt der Versandhändler vor allem an den riesigen chinesischen Markt – und besonders an den Ballungsraum im Süden und um Shanghai. In China wäre Otto dann Pionier – Versandhandel gibt es dort bisher nicht. Zur Zeit ist Otto in sechzehn Ländern Europas, Amerkas und Asiens tätig. Weltweiter Umsatz: 23,8 Milliarden Mark.

So will es das Beamtenrecht: Obwohl der fünfzig Jahre alte Duisburger Oberstadtdirektor, Richard Klein, Ende November auf eigenen Wunsch aus den Diensten der Stadt scheidet und bei der RWE Energie AG ein deutlich besser bezahltes Amt als Vorstandsmitglied antritt, steht ihm eine ansehnliche Pension zu. Sie wird auf rund 10 000 Mark im Monat veranschlagt.